Christi Wundmale und der Hl. Thomas

7835-1280x927

„Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meine Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ (Joh 20, 25)

„Ich will Gott schauen“. Dieser Wunsch hat viele Menschen bewegt, unermüdlich nach Gott Ausschau zu halten. Aus den Worten des Hl. Thomas klingt diese Sehnsucht auch heraus. Das Zeugnis der Mitjünger lässt in ihm die Flamme neu auflodern. Sie erweckt von neuem eine innere Erfahrung, die er nach dem Kreuzestod Christigewaltsam unterdrückt hat: die Erfahrung Gottes in Christus. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9).

Wenn nun Thomas sich danach sehnt „die Male der Nägel an seinen Händen zu sehen“ und noch mehr: seine Finger in die Male der Nägel und seine Hand in seine Seite zu legen, dann deshalb, weil er den Gott wieder finden will, der sich in Christus offenbart hat  –  in diesem Christus, der mit ihm gelebt hat, den er anfassen konnte (vgl. 1 Joh 1,1) und der seine tief ins Herz eingeschriebene Sehnsucht nach Gott befriedigt hat. Dieser Christus ist sein Leben (Joh 14,6), „visio Dei vita hominis“ („Die Schau Gottes ist das Leben des Menschen“) wie schon der Hl. Ireneus gesagt hat. Dieser Christus, diese „visio Dei“ aber ist der fleischgewordene Gott.

Der Wunsch des Hl. Thomas, die Wundmale Christi zu berühren, beinhaltet noch etwas anderes: Er scheint, vielleicht nur intuitiv, verstanden zu haben, dass die Leiden Christi zur echten Christuserfahrung dazugehören; dass man zum Auferstandenen nur durch das Kreuz kommen kann. Vielleicht schwingt in dem Ausruf: „Mein Herr und mein Gott!“ neben der Dankbarkeit auch noch etwas anderes mit. Und zwar die Erkenntnis, dass die Offenbarung Christi als Auferstandener mit den Wundmalen die einzig wahre Antwort auf die Leiden der Menschen ist. Denn Gott hat keine billige Antwort (wie Benedikt XVI in seinem Buch „Jesus von Nazareth“ schreibt) auf das Leiden und das Böse in der Welt, sondern eine teure: seinen leidenden und sterbenden Sohn.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s