Herz Jesu

 Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.

Sacred Heart, Tutzinger Schwestern

„Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.“ (Joh 19, 32-37)

Immer hat mich diese Stelle ein bisschen verwundert. Und zwar das Betonen des Hl. Johannes, dass er es mit eigenen Augen gesehen hat und sein Zeugnis wahr ist. Dreifach sogar: er hat es gesehen, sein Zeugnis ist wahr, und er war sich dessen bewusst, dass es wahr ist.

Aber um was geht es denn eigentlich? Darum, dass aus Christi Seite Blut und Wasser strömen. Da stutzt man ein bisschen: warum ist denn das so wichtig? Bis zum jetzigen Zeitpunkt schien mir, dass Johannes sich auf die ganze Leidensgeschichte bezieht. Und das kann sehr wohl sein; es wäre gewagt, zu tief in die Absichten des Evangelisten einzudringen. Dennoch scheint Johannes, wenn er die Wahrheit seiner Aussage so deutlich betont, sich auch auf diesen letzten Moment zu beziehen: das geöffnete Herz Jesu.

Mehr oder weniger im Augenblick der Durchbohrung des Herzens Jesu fing in Jerusalem die Feier des Sabbats an. Wer einmal im Hl. Land, besonders in Jerusalem war, weiß mit welcher Freude der Sabbat gefeiert wird. Jakob Neusner erklärt in seinem Buch „Ein Rabbi spricht mit Jesus“ den Grund dieser Freude: mit Gott die Schöpfung und besonders den Schöpfer feiern.

Nun geschieht aber genau dies zur gleichen Zeit auf dem Kalvarienberg: eine neue Schöpfung beginnt. Aus Christi Herzen strömt Blut und Wasser. So wie in Ezechiel Kapitel 47 Wasser aus dem Heiligtum strömt. Beim Propheten ist es dieses frische und lebendige Wasser, welches das Wasser des „salzigen Meeres“, d.h. des heutigen Toten Meeres, reinigt: „Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk, es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund.“ (Ez 47,8)

„Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden (die Fluten) gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben.“ (Ez 47,9)

Der Kreis schließt sich und vielleicht ist es das, was Johannes dazu bewegt, dieses Geschehnis so hervorzuheben. Denn so wie bei Ezechiel aus dem Tempel Wasser strömt, das neues Leben schenkt, so nun auch aus Christi Herz.

Die Verbindung mit folgender Stelle im Johannesevangelium ist offensichtlich: „Jesus antwortete ihr (der Samariterin): Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (Joh 4, 13-14)

Er, Christus, ist neues Leben, ewiges Leben, endgültiges Leben. Wenn wir aus dieser neuen Quelle trinken, dann werden wir keinen Durst mehr bekommen, und das Wasser wird zur „sprudelnden Quelle“ in uns werden. So wird auch unser Leben eine überreiche Quelle an lebendigem Wasser werden. Wasser, dass nicht unseres ist, sondern Christus selbst.

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