Heiliges Land (II)

Gottgewollter Knick

Christus und der Hl. Franziskus

Kreuz auf dem Berg Tabor

„Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: ‚Steht auf, habt keine Angst!‘ Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.! (Mt, 17, 6-8)

Was generell schon als Abklingen der Erzählung der Verklärung Christi auf dem Berg Tabor aufgefasst wird, möchte ich hier ins Zentrum rücken. Beim Lesen dieser Stelle errinnerte ich mich daran, dass vor einigen Wochen jemand zu mir sagte: Jesus liebt das Verstecktspiel. Wenn man sich an die Auferstehungsszene der Jünger von Emmaus errinnert, wird verständlich, was damit gemeint war. Der Moment seiner Offenbarung ist gleichzeitig Moment auch seines sich Versteckens.

Genau das gleiche Muster finden wir am Ende der Verklärung Christi. Jesus nimmt Petrus, Johannes und Jakobus zur Seite (vgl. Mt 17,1). Das „beiseite Nehme“ zeigt uns, dass er den persönlichen und oft auch exklusiven Kontakt mit jedem von uns, im Gebet und im Stillen eines jeden Zimmers (vgl. Mt 6, 5: „Du aber gehe in deine Kammer“), sucht. Was sich nun dort auf dem Berg Tabor abspielt, errinnert an den Berg Sinai und die dortige Gottesoffenbarung. Es ist der Dreifaltige Gott, der sich in seiner Majestät offenbart: „Der Herr aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen Jahwe aus.“ (Ex 34, 5)

Auf dem Berg Sinai und eben auch auf dem Berg Tabor, offenbart Gott seine Anwesenheit sehr sichtbar und furchterregend. Die Jünger „bekamen große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden“ (Mt 17, 6). Aber dann geschieht etwas Unerwartetes, ein gottgewollter Knick in der Erzählung: „Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: ‚Steht auf, habt keine Angst!‘ Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.! (Mt, 17, 6-8)

Man kann sich gut in die Szene hineinversetzen und fast das Aufatmen des Petrus und der andere beiden Jünger hören: der Spuk scheint vorbei zu sein. Genau hier treffen wir auf eine Paradoxe: die Gottesanwesenheit hat eben nicht aufgehört. Christus ist doch noch unter den Jüngern. So wie auch die Gottesanwesenheit bei den Jüngern in Emmaus nicht aufgehört hat: Christus war noch anwesend in der Eucharistie.

Warum dieses „Abknicken“ Gottes? Das scheinbare Ende der Theophanie (Offenbarung Gottes), aber die unscheinbare Nähe Gottes in Christus und der Eucharistie? Warum nimmt Er alles Beeindruckende weg und bleibt in einer fadschmeckenden Hostie? Die Anwort ist schwer zu finden. Ist nicht vielleicht eine mögliche Lösung dieses Geheimnisses der Wunsch Gottes eine möglichst intime und nahe Beziehung mit uns aufzubauen?

Vielleicht ist es ja genau diese so extreme Kenosis – das sich Herablassen – Gottes, welche so viel Vertraulichkeit mit seinen Geschöpfen zulässt. Und vielleicht ist es genau diese Vertraulichkeit welche unsere oft so harten und ungläubigen Herzen erweicht. Die Frage kommt ganz natürlich auf: können wir denn nicht vor so viel Liebe „ja“ sagen?

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