Christus und Petrus

Liebesgeständnis

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Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! (Joh 21,15)

Diese gegenseitige Liebeserklärung ist wohl die einzige so direkte in den Evangelien. Sie befindet sich am Ende des Johannesevangeliums, als ob sie diesem einen rundenden Abschluss gegeben solle. Ein Nachwort, um nochmals zum Ausdruck zu bringen, dass das Herzstück der Botschaft Christi die Liebe ist: „Ein neues Gebot gebe ich euch: wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ (Joh 13, 34).

Irgendwie erinnert diese dreifache Liebeserklärung Petri an Deuteronimium 6, die Sch’ma Jisrael:

„Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.“ (Deut 6, 4-7)

Geliebt werden soll Gott mit dem Herzen, mit ganzer Seele, und mit ganzer Kraft. Petrus soll eine dreifache Liebeserklärung abgeben. Sie ist auch eine Glaubenserklärung: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16). Und damit darf Christus als Gott ganz und als einziger geliebt werden.

Im Lichte der Sch’ma Jisrael bekommt dann auch das „Weide meine Lämmer“ eine neue Bedeutung. Denn das wahre „Weiden der Lämmer“ wird das Hinführen zur Liebe Gottes sein; die Lämmer hineinzunehmen in diesen Strom der Liebe.

Dieser Auftrag verspricht Erfüllung, aber auch Kreuz und am Ende die Ganzhingabe, so wie es Christus uns vorgelebt: „Es gibt keine größere Liebe als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13). So überraschen die Worte Christi nicht: „Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde.“ (Joh 21, 18-19).

Es ist die gegenseitige Befruchtung der Liebe: der Liebe zu Christus, die nur echte Liebe ist, wenn sie überfließt in Lieben zu den anderen; und der Liebe zu den anderen, die nur lebendig ist, wenn sie durchdrungen ist von der Liebe zu Christus.

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