Leid, wo ist dein Stachel?

Wood Crucifix

Immer wieder erstaunen mich die Worte des sogenannten guten Schächers:

„Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23, 40- 43).

Sie sind nicht zu unterschätzen, denn sie bekennen zweierlei: erstens, die oft so geheimnisvolle Verbindung zwischen unseren Verfehlungen und Sünden und dem Leid, dem wir jeden Tag begegnen. Zweitens das Wissen, dass dies nicht alles sein kann. Wir sind gemacht für etwas anderes, für ein Paradies, für das Gute, welches der Gute Schächer anfängt intuitiv zu erfassen. Sein Herz sagt ihm, dass dieser Gekreuzigte neben ihm, das Gute innehat und ihm schenken kann.

Er weiß, dass die Lage Christi eine ganz andere ist, als die seine und die seines Mitverbrechers. Dieser Jesus am Kreuz bringt etwas Neues: das Leiden für andere.

Der Schächer hat in seinem Herzen verstanden, dass seine Verbrechen nicht neutral sind. Unser Gewissen sagt uns das auch. Was ich mache, ist nicht egal; wir verspüren , dass eine Entscheidung ein gewisses Gewicht besitzt. Und wenn wir merken, dass eine Entscheidung falsch getroffen wurde, dann bedrückt es uns. Nie können wir denn inneren Sinn für Sünde ganz ausschalten.

Nun trifft der Schächer dort am Kreuz aber auf eine ganz neue Wirklichkeit: ein Mann strahlt eine komplette Unschuld aus und leidet dennoch. Und noch mehr: er nimmt das Leiden sogar freiwillig an. „Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23, 34).

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Mit seinen Worten an Christus, trifft der gute Schächer genau das Herz des Erlösungsgeheimnisses. Die Unschuld macht sich zur Schuld – „er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden“ (2 Kor 5, 21)-, um uns zu erlösen, aber das Leid zu erlösen. „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15, 55)

Leid und Schmerz werden somit von innen her erlöst und bekommen eine neue Dimension. Sie können auf einmal Ausdruck höchster Liebe werden, und somit Öl welches die Wunden der Menschen heilt. Unser persönliches Leid, fern davon uns in uns einzuschließen, wird auf einmal ein Weg andere leidenden Menschen zu helfen. Im Mitleid zeigen, aber auch im echten Mitleiden!

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Diese Versöhnung zwischen Liebe und Leid beschreibt Benedikt XVI so: „Die leidenschaftliche Liebe Gottes zu seinem Volk — zum Menschen — ist zugleich vergebende Liebe. Sie ist so groß, daß sie Gott gegen sich selbst wendet, seine Liebe gegen seine Gerechtigkeit. Der Christ sieht darin schon verborgen sich anzeigend das Geheimnis des Kreuzes: Gott liebt den Menschen so, daß er selbst Mensch wird, ihm nachgeht bis in den Tod hinein und auf diese Weise Gerechtigkeit und Liebe versöhnt“ (Deus caritas est, No. 10). Und weiter: „In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten — Liebe in ihrer radikalsten Form. Der Blick auf die durchbohrte Seite Jesu, von dem Johannes spricht (vgl. 19, 37), begreift, was Ausgangspunkt dieses Schreibens war: ,,Gott ist Liebe’’ (1 Joh 4, 8). Dort kann diese Wahrheit angeschaut werden. Und von dort her ist nun zu definieren, was Liebe ist. Von diesem Blick her findet der Christ den Weg seines Lebens und Liebens“ (Deus caritas est, No. 10).

 

Hier ein Link zu einem Lied über Kreuz und Vergebung: Heart within the heart (https://www.youtube.com/watch?v=PV4CaPfdSAI)

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