Die Liebe ist langmütig

Familie, Ehe und Liebe

Hl. Familie, G. Vasari, Andrea del Sarto

Hl. Familie, G. Vasari, Andrea del Sarto

„Die Liebe ist langmütig“ (1 Kor 13, 4).

Die Bischofssynode über die Familie (aktuelle Nachrichten siehe hier) geht ihrem Ende zu. Viel wurde über Ehe, Scheidung, Kommunion,… diskutiert. Ohne in die konkrete pastorale Thematik eindringen zu wollen, möchte ich einige Betrachtungen anbieten, welche einen Aspekt der Liebe herausarbeiten wollen. Liebe ist Grundlage jeden Ehelebens und ich glaube, jeden Lebens im allgemeinen. Das richtige Verständnis von Liebe öffnet uns den Weg zur Treue und somit zur Freude in der Liebe, das falsche Verständnis zum Egoismus und damit zum Frust.

„Die Liebe ist langmütig“, so Paulus in seinem Hohelied der Liebe. Dreimal wird in der Bibel ausdrücklich ein Bild benutzt, welches das „Langmütige“ der Liebe näher erläutern kann. Es ist das Bild des Baumes am Wasser.

Jeremia 17, 7-8: „Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.“

Psalm 1, 1ff: „Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht. Er ist wie ein Baum, der an Bächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.“

Psalm 92, 13ff: Der Gerechte gedeiht wie die Palme, er wächst wie die Zedern des Libanon. Gepflanzt im Haus des Herrn, gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes. Sie tragen Frucht noch im Alter und bleiben voll Saft und Frische; sie verkünden: Gerecht ist der Herr; mein Fels ist er, an ihm ist kein Unrecht.“

Die Trockenheit im Hl. Land und im ganzen Mittleren Osten verstärken die Aussage dieses Bildes. Ein Baum braucht, entweder eine ständig nahen Quelle – ein See oder ein nicht versiegender Fluss – oder tiefe Wurzeln, um an das Grundwasser zu kommen. Die Kraft seines Überlebens liegt somit nicht in ihm selber, sondern in seiner Verbundenheit mit einer Wasserquelle.

„Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist.“ „Wohl dem Mann, (…) der Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.“ Segen, Wohl und die erwartete Frucht bringen ist somit in Jeremia und den Psalmen das Vertrauen in den Herrn und dem Folgen Seiner Weisungen.

Die drei theologischen Tugenden sind hier miteinander verstrickt und bilden Grundlage jedes gesunden Lebens in Gott und somit mit den Mitmenschen. Der Gerechte – der Mensch, der wie der Hl. Joseph Gott glaubt und sich Seinem Plan fügt – lebt im Vertrauen auf Gott, welches ihm die Kraft gibt sich ganz Gott zu überlassen. Alles ist getragen und gestärkt nicht durch kaltes Kalkül sondern durch eine echte Liebe zu Gott.

Aber die Liebe ist Gnade und somit Geschenk Gottes. Wir empfangen Liebe. Wenn sie aber in Gott ihren Ursprung hat, dann ist diese Liebe Quelle die nie versiegt, Fluss der nie trocken liegt. Und so gelangen wir zu einem tieferen Verständnis von diesem kurzen Satz des Hl. Paulus: „Die Liebe ist langmütig“.

Nur Liebe, welche in Gott ihren Ursprung hat, wird diese Eigenschaft besitzen können. Dies färbt ab und zwar im Zwischenmenschlichen. Nur Nächstenliebe, die in Gott ihren Ursprung hat, ist langmütig, und somit „wirklich“. Nur Eheliebe, die eine Liebesbeziehung von dreien ist -Gott, Frau und Mann- wird wirklich langmütig und beständig sein, und somit zum Baum werden der Früchte trägt.

Aber es gitl auch andersherum. Ehe als Sakramente trägt in sich den Samen der Treue und Beständigkeit, denn sie baut auf die Treue und Beständigkeit Gottes. So ist die „Langmütigkeit der Liebe“ zum einen Frucht einer in Gott gelebten Ehe, aber auch eine Forderung Gottes an uns, die Ehe dem Ideal entsprechend zu leben. Sie ist zum einen etwas Geschenktes, aber auch ein Geschenk, welches wir Gott geben können.

Nur in diesem gegenseitigen Geben und Empfangen bildet sich ein kohärenter Beziehungskreis zwischen Gott, Frau und Mann, der dann Keim ist für neues Leben im Mystischen Leib Christi. Wie sehr schimmert hier das Geheimnis der Dreifaltigkeit selber hindurch; und wie erhaben ist deswegen die Ehe. Ein Schatz, der in seiner ganzen Größe und Fülle bewahrt werden muss.

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