Aktualität des Martyriums

Arabischer Buchstabe "Nun"; steht für Nazarener

Arabischer Buchstabe „Nun“; steht für Nazarener.

Erst kürzlich gab einer der Weihbischöfe von Bagdad hier in Rom eine Konferenz über die Situation der Christen im Irak. Die Realität des Martyrium ist wohl für uns Christen in Europa und im Westen so weit entfernt, wie die Geschichten der ersten Christen, die in Europa für ihren Glauben starben.

So war es zu erwarten, dass unter den Fragen, die dem Bischof gestellt wurden, auch die Fragen nach dem Martyrium nicht fehlte: wie er denn mit dem Gedanken lebe möglicherweise eines Tages sein Leben für Christus hingeben zu müssen und zu dürfen.

Die Antwort war überraschend einfach: sitzen wir nicht alle als Christen im selben Boot? Sind wir nicht alle dazu berufen, unser Kreuz auf uns zu nehmen und mit einer Radikalität unseren Glauben zu bekennen, welche auch ein Martyrium annehmen würde. „Nehmt täglich euer Kreuz auf euch und folgt mir nach!“ (Lk 9,23).

Eine Aufforderung, die man nicht überhören darf. Denn damit wollte dieser Bischof uns an das Wesen des Christentums erinnern. Es bringt uns den Märtyrern der ersten Jahrhunderte wie auch aktuell denen im Mittleren Osten sehr viel näher, als uns lieb ist.

Denn auch hier in Europa und im Westen ist es wohl immer mehr ein Gegen-den-Strom-schwimmen, wenn man seinen Glauben mit Überzeugung lebt. Christ sein ist eben im Kern immer radikal und spricht unser ganzes Leben an. Nicht für neben bei, als etwas, das beiseite gelegt wird, sobald es ungemütlich wird. Dieses „ganz oder gar nicht“ macht den Glauben aus.

Denn es handelt sich nicht um ein von mir zusammengestellter Wertekathalog, sondern, wie schon Papst Benedikt sagte, um die Begegnung mit einer Person: „Wir haben der Liebe geglaubt: So kann der Christ den Grundentscheidung seines Lebens ausdrücken. Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“ (Deus Caritas est, no. 1). Es ist die Begegnung mit einer Person, welches allem in unserem Leben eine neue Farbe und Wärme gibt.

Da nun in uns eine neue Erfahrung gewachsen ist, welche ein Fels ist auf dem wir bauen (vgl. Psalm 31), ist der Schritt zur Hingabe unseres Lebens eine gewollte Notwendigkeit. Eine neue „entscheidende Richtung“, welche bei einigen durch besondere Gnade im blutigen Martyrium gekrönt wird, beim Großteil jedoch in der Hingabe an Gottes Willen im Alltäglichen.

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