Erster Advent und Christkönig

Murillo, Christus der Gute Hirte

Murillo, Christus der Gute Hirte

Am heutigen ersten Adventssonntag möchte ich eine Reihe Betrachtungen anfangen, die eine Vertiefung der Sonntagslesungen des Advents sein sollen.

Das liturgische Jahr ist immer eine Einheit. Wir leben in einer schon bestehenden Fülle: Christus ist Mensch geworden, ist für uns gestorben, ist für uns auferstanden und hatSeine Kirche gegründet, die ihre letzte Erfüllung im Himmelreich findet, aber auch schon jetzt versteckt vollkommen ist. Wenn wir nun jedes Jahr die Geheimnisse Christi feiern und uns nun“ schon wieder“ auf Weihnachten vorbereiten, dann um immer wieder diese Fülle in unserem Leben aufblühen zu lassen. Die Erinnerung eines Ereignisses – so wie es die Juden verstehen – ist eine Vergegenwärtigung. Die Feier des Passahfestes war für die Juden ein echtes Teilhaben am Exodus. Dies überträgt sich nun auch auf unsere Feier der Geheimnisse des Lebens Christi. Wir sind „Zeitgenossen der Geheimnisse Christi“, wie der Hl. Johannes Paul II so schön sagte.

Das Kirchenjahr, welches uns in das Leben Christi einführt, bildet ein Ganzes. Die verschiedenen Ereignisse, welche wir feiern, beleuchten sich gegenseitig. Diese Verbindung sieht man auch beim Christkönigsfest und Advent. Denn mit Christkönig findet zwar das Kirchenjahr sein Ende, aber gleichzeitig öffnet dieses Fest die Tür zum Advent. Ganz konkret die erste Lesung, Ezechiel 34.

So spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben. Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen – Spruch Gottes, des Herrn. Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist. Ihr aber, meine Herde – so spricht Gott, der Herr -, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken.

Christkönig ist ein Fest der Erfüllung. Uns wird die Tatsache vor Augen gestellt, dass durch Christus „der letzte Feind, (…) der Tod“ (1 Kor 15, 26) entmachtet wird (so die zweite Lesung des Festes). Wir stehen vor der Erfüllung des Heilsplan Gottes in und durch Christus. Die erste Lesung des Christkönigfestes ist ihrerseits ein Zugang zum Herzensanliegen Gottes: nämlich die verlorene Menschheit nicht aufzugeben! Wenn wir Christus als unseren König und Hirten feiern, dann weil Gott uns nie fallen gelassen hat, sondern immer alles versucht hat, um uns in Sein Reich der Liebe aufzunehmen.

Somit öffnen uns beide Lesung des Christkönigsfestes die Tür zu den Lesungen des ersten Advents. Denn das Kommen des Hirten entspricht dem Wunsch und der Sehnsucht des Menschen. „Ach, kämst du doch denen entgegen, die tun, was recht ist, und nachdenken über deine Wege“ (Jes 63, 4), so die Lesung beim ersten Adventssonntag. Aber nicht nur den Menschen, die gerecht sind, sondern auch die, die im Unrecht leben: „Und doch bist du, Herr, unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände“ (Jes 63, 7). Die Kirche macht sich so das Seufzen der ganzen Schöpfung eigen: „Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Rm 8, 22).

Christkönig, das Ende des Kirchenjahres, und Advent, der Anfang des Kirchenjahres, bilden so eine Einheit. Im Advent „nähren“ wir uns von der Gewissheit, dass Christus schon König über Leben und Tod ist und uns errettet hat. Wir leben in ständiger christlicher Hoffnung! Gleichzeitig wird das Kommen unseres Königs als Hirte durch die Adventszeit, in der wir unser Herz öffnen und reinigen, vorbereitet und kann somit volle Frucht tragen.

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