Das Wunder der Wüste

Betrachtung zum zweiten Advent

Feofan_predtecha

Ikone des Hl. Johannes des Täufers

 

Christkönig hat unsere Erwartung auf den Echten Hirten angeregt, der erste Advent die Sehnsucht nach ihm entzündet. Die Lesungen des zweiten Advents sollen uns nun helfen uns innerlich vorzubereiten. Denn das Wunderbare unseres Glaubens ist es ja, dass wir uns nicht vertrösten müssen auf ein zukünftiges Kommen, dass immer im Halbdunkel bleibt, sondern dass Christus ständig kommt. Und wir uns deswegen auch ständig vorbereiten, um Ihm eine angenehme Ankunft zu bereiten.

Im Evangelium des zweiten Adventssonntag ist ein zentrales Thema die Bekehrung. „So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden“ (Mk 1,4). Die Auswirkung auf diesen Aufruf des Hl. Johannes des Täufers ist jedoch erstaunlich: „Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen“ (Mk 1,5). Dass man zu ihm herauszieht, vielleicht nicht so sehr: zu berühmten Personen fährt man hin und nicht andersrum. Aber es ist doch interessant, dass die Juden weg von Jerusalem ziehen, um die Umkehr zu suchen. Eigentlich ist ja das Pilgern nach Jerusalem Zeichen und Bewegung zur Umkehr.

Das Volk zieht hinaus durch die Wüste zum Jordan, an dem sich der Täufer befindet. Der Gang in die Wüste und durch die Wüste war schon immer ein Weg, um wieder zu Gott zu finden. Man erinnere sich schon allein an die 40 Jahre in der Wüste nach dem Auszug aus Ägypten. Ziel der Pädagogik Gottes war es, den Menschen fest an Sich zu binden, damit er lernt was und wer wirklich der einzige Notwendige ist. Die Härte des Lebens in der Wüste ist Reinigung von allem Überflüssigen, um zum Wesentlichen zu gelangen.

Und Reinigung, auch wenn sie immer einen so bitteren Beigeschmack hat, ist nicht negativ. Schon in der Betrachtung vor einer Woche habe ich von der tiefen Sehnsucht nach Gott gesprochen die alle Menschen in sich tragen. Die Unrast so vieler Menschen ist Zeichen für unsere ständige Suche nach Erfüllung und innerem Frieden. Die Reinigung hilft uns, dieses Suchen nach Erfüllung zu kanalisieren. Ein Gedicht der Hl. Theresa von Avila beschreibt schön dieses innere Wissen, dass wir nur in Gott zur Ruhe kommen:

Nichts beunruhige dich, / nichts erschrecke dich, / alles geht vorüber, / nur Gott verändert sich nicht; / die Geduld erreicht alles; / wer Gott hat, dem fehlt nichts: /nur Gott reicht.

Durch die Wüste und somit Reinigung, gelangen wir zum Jordan: dem Ort der Taufe. „Sie ließen sich im Jordan von ihm taufen.“ Taufe ist neues Leben in Gott. So „bahnen“ wir Gott einen Weg in unserem Leben (cf. erste Lesung des Advents). Und dies ist genau wieder Kern der ganzen Advents- und Weihnachtsbotschaft: das Leben Gottes unter uns und in uns. Reinigung ziehlt auf Leben in Gott.

Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her. Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam. (Jes 40, 10-11; erste Lesung des Advents)

Wieder können wir einen Kreis schließen. Wir haben gesagt, dass uns die Umkehr aus Jerusalem weg, in die Wüste zum Jordan führt. Jerusalem wird aber nun, nach Reinigung und Taufe, Sinnbild für die neugeschenkte Anwesenheit Gottes unter uns. Wir kommen so gereinigt wieder zurück zu ihr.

Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Seht, da ist euer Gott. (Jes 40, 9)

Sie ist nun der Ort, an dem auch unsere Seele zur Ruhe in Christus kommt, und Kraft findet Ihn in der Welt als den wahren und einzigen Hirten zu verkünden.

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