Geistlicher Spürsinn

2013-05-18_vigilia de Pentecostés en San Pedro-72

Petersdom

 Vierter Advent

Im alten Testament gibt es ein ständig wiederholtes Versprechen: „Sie werden mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein!“ Wir finden es in Jeremia, in Ezechiel und auch in den Psalmen. In Ezechiel ist dieses Versprechen („Ich befreie sie von aller Sünde, die sie in ihrer Untreue begangen haben, und ich mache sie rein. Dann werden sie mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein.“ Ezechiel 37, 23) verbunden mit der Verheißung Gottes, unter den Seinen zu wohnen:

Ich schließe mit ihnen einen Friedensbund; es soll ein ewiger Bund sein. Ich werde sie zahlreich machen. Ich werde mitten unter ihnen für immer mein Heiligtum errichten und bei ihnen wird meine Wohnung sein. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Wenn mein Heiligtum für alle Zeit in ihrer Mitte ist, dann werden die Völker erkennen, dass ich der Herr bin, der Israel heiligt. (Ezechiel 37, 26)

Diese Verheißung kann mal wohl mit Recht als die Königin aller Verheißungen bezeichnen. Denn hier schwingt schon auf besondere Weise die entgültige Wiederherstellung des Himmelreiches mit: ein Ewiger Bund, in welchem Gott ganz Gott ist und unter uns wohnt und wir bei Ihm sein dürfen. Die erste Lesung des vierten Adventssonntags spielt genau auf diese Verheißung an (auch wenn natürlich die Ereignisse im Buch Samuel älter als die Prophezeiungen in Ezechiel sind).

David möchte Gott einen Platz in seinem Volk bereiten; so wir in unserem Herzen. Gott dreht den Spieß herum: „Ich will meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen, damit es an seinem Ort sicher wohnen kann und sich nicht mehr ängstigen muss…“ (2 Sam 7, 10). Die Anstrengung in unserem Leben Gott immer wieder den ersten Platz zu geben, wird von Gott ernst genommen, aber Er macht noch viel mehr daraus und übertrifft unsere Vorstellungen. Als ob Er sagen wolle: nicht nur ihr werdet in eurer Mitte einen Platz für mich bereiten, sondern auch ich für euch in Mir.

Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. (Joh 14, 2-3)

So ist Christus in Maria Mensch geworden und Gott wohnt dadurch unter uns. Aber gleichzeitig ist Maria – und durch sie die Kirche – ganz erfüllt vom Heiligen Geist und lebt so ganz in Gott.

Hier müssen wir wieder innehalten. Denn das alles klingt schön, aber scheint auch ein bisschen fern von unserem Alltag und seinen Erfahrungen. Man muss sich wieder wachrütteln und die Augen öffnen: Eucharistie, Kirche, Sakramente, Nächstenliebe, Gebet und die Gemeinschaft im Glauben sind alles Zeichen für diese neue und echte Anwesenheit Gottes in der Welt. Sie zu finden und zu ergründen ist unsere Aufgabe. Sich diesen geistlichen Spürsinn zu erbitten; wie Maria, die trotz der dreißig verborgenen Jahre in Nazareth und des Skandales des Kreuzes weiterhin festhielt an der Verheißung, die sie selber gehört hat:

Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. (Lk 1, 30-33)

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