Puer natus est nobis

Hl. Familie mit dem Vogel, Murillo

Hl. Familie mit dem Vogel, Murillo

Schon einmal habe ich über diesen „gottgewollter Knick“ gesprochen: d.h. dass wir etwas Erstaunliches, Erhabenes und auch Geheimnisvolles im Handeln Gottes erwarten, und Er sich auf einmal ganz anders präsentiert. Wenn wir die Adventsliturgie in diesen Wochen betrachtet haben, dann hat sich unser Herz geweitet und wir ersehnen die Erlösung und das Heil. Wir ersehnen vielleicht auch einen Gott, der nun ein für alle Mal Probleme und Leid beseitigt, unsere Schwächen tilgt, und sich eben als Allherrscher zeigt. Dann aber hören wir in der lateinische Weihnachtsliturgie  diesen wunderbaren Choral: Puer natus est nobis (um eine Aufnahme von der Benediktinerabtei Santo Domingo de Silos zu hören, hier klicken).

Puer natus est nobis
Et filius datus est nobis
Cuius imperium super humerum eius
Et vocabitur nomen eius
Magni consilii Angelus

 

„Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter, und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewigvater, Friedefürst.“ Die Allmacht wird auf einmal an ein hilfloses und zartes Kind gebunden!

Wir wissen, dass das Evangelium der Geburt Christi genau diese Botschaft übermittelt: Gott ist Mensch geworden, aber so versteckt, dass keiner es bemerkt. Nur Armut, Vergessenheit, Leid, Kälte und Erbärmlichkeit scheinen das entscheidendste Ereignis der ganzen Weltgeschichte zu bekleiden. Und mit dem Erstaunen darüber, wächst vielleicht in uns auch ein neues Verständnis vom warum Gott so handelt.

Denn nun bildet sich in diesem hilflosen Kind ein doppelter Zugang: zum einen haben wir Zugang zu Gott, wir können Ihn anfassen, er hat ein menschliches Gesicht bekommen, einen zerbrechlichen Körper:

Gott ist Mensch geworden und hat unter uns gewohnt. Gott ist nicht fern: Er ist nahe, ja, er ist der „Immanuel“, der „Gott mit uns“. Er ist kein Unbekannter: Er hat ein Gesicht, das Gesicht Jesu. (Benedikt XVI, Weihnachten, 25. Dezember 2010)

Zum anderen bekommt Gott Zugang zu unsere menschlichen Leben, welches so oft auch viel Erbärmliches mit sich trägt. Er ist nun wirklich nahe, wirklich der „Gott mit uns“, der Immanuel, wie er in Ezechiel verkündet wurde. Ein Gott, der auch das Schwache unseres Lebens erfahren und auf sich genommen hat.

Ich werde mitten unter ihnen für immer mein Heiligtum errichten und bei ihnen wird meine Wohnung sein. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. (Ezechiel 37, 26)

Und somit kann Er von innen her Leid und Erbärmlichkeit heilen und erheben. Es bildet sich so in Christus eine ganz neue Beziehung zwischen Mensch und Gott. Gott wird auf einmal wirklich Zentrum unsere Freude, unserer Gemeinschaft, unserer Familie und auch unseres Leids. Einer von uns, der aber als liebender Gott, uns alle hochhebt zu Ihm. Intimität mit Gott ist nun nicht mehr ein Fremdwort:

Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit den Ketten der Liebe. Ich war da für sie wie die (Eltern), die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen. (Hosea 11,4)

Dies ist Weihnachten, dies ist die wahre Erfüllung und Erlösung, die wir alle erwarten, dies ist das zarte und warme Licht in den oft so verschneiten und kalten Landschaften diese Welt. Das Christkind hat gerade in seiner Zerbrechlichkeit „Feuer auf die Erde geworfen“ (vgl. Lk 12, 49) und dieses Feuer ist nicht mehr zu löschen!

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