Werbung oder Mission?

Church A Thon

Heutzutage wird viel über neue Wege gesprochen, die gefunden werden müssen, um mit den Menschen unserer Zeit in Verbindung zu treten und ihnen die Frohe Botschaft zu verkünden. Das ist richtig so… Aber was ist ein neuer Weg?

Der Theologe H.U. von Balthasar schreibt im Buch „Katholisch“ in seiner oft ein bisschen überspitzten Art:

Das Zeugnis der Catholica ist tief verborgen, so verborgen wie das Mysterium, das sie bezeugt. Man frage eine beliebige Klasse der Oberstufe im Westen oder im Osten, was sie sich unter katholisch vorstellt, damit assoziiert, und man wird sehen. Inquisition, Pille und dergleichen. Die Kirche hat (in ihrem schwächsten Konzilsdokument) die Massmedia „gesegnet“, aber kann sie in diesen ihr eigentliches Geheimnis, das einzige, das sie glaubwürdig machen kann, vor Kreti und Pleti enthüllen? Muß sie es dort nicht zumindest in abgeleiteter, verfremdeter, moralisierter („eingängiger“) Form vorstellen? Wird sie dann aber nicht eher Propaganda als Mission betreiben? (H.U. von Balthasar, Katholisch, S. 9)

Es geht mir jetzt nicht darum, über die Interpretation des Konzils von H.U. von Balthasar zu sprechen, sondern um einen anderen Punkt, den er hier hervorhebt: das Mysterium der Catholica. Denn dieses Mysterium – die Geheimnisse des Lebens und der Auferstehung Christi, anwesend in der Kirche – ist ein solcher „Kraftkern“, dass es nicht einfach ist, ihn unverwässert weiterzugeben. Leicht gibt es zwischen demjenigen, der dieses Geheimnis vermitteln möchte, und dem Geheimnis selber, eine Distanz. Das Geheimnis verliert somit an „Schlagkraft“. Es scheint weniger überzeugend, weniger glaubwürdig zu sein.

Dies passiert z.B., wenn das Katholische reduziert wird auf ein Wertekatalog, eine Lebensweise, einen Weg, inneren Frieden mit sich selbst zu finden,… Alles Elemente, die im Katholischen nicht ausgeschlossen sind, aber nicht im Zentrum stehen.

Was steht nun im Zentrum und wie können wir es mit seiner ganzen Kraft weitergeben? Papst Benedikt schrieb in Deus Caritas est einen Satz, der berühmt geworden ist:

Wir haben der Liebe geglaubt: So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdrücken. Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluß oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt. In seinem Evangelium hatte Johannes dieses Ereignis mit den folgenden Worten ausgedrückt: ,,So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt … das ewige Leben hat’’ (3, 16). Mit der Zentralität der Liebe hat der christliche Glaube aufgenommen, was innere Mitte von Israels Glauben war, und dieser Mitte zugleich eine neue Tiefe und Weite gegeben. (Benedikt XVI, No. 1)

Das heißt einfach und knapp gesagt: im Zentrum steht eine Person, Christus. Diese Person ist Schlüssel zu einer echten Mission, welche nicht in lasche Propaganda ausarten darf. Nur ein Apostolat, welches Christus den Vorrang gibt, bringt Frucht!

Das heißt wir müssen Christus in uns „klingen“ lassen; Menschen in Kontakt mit Ihm zu bringen, nicht mit uns! In Spanien gibt es einen Spruch: „El buen vino no ha menester pregonero.“ Sinngemäß: „Ein guter Wein braucht keine Werbung“. Die Erfahrung haben wir beim Hören klassischer Musik, beim Betrachten eines Kunstwerkes, beim Leben in der Natur. Schönheit spricht für sich. Um so mehr wird Christus für sich sprechen können!

Oft jedoch scheinen wir wie der Clown zu sein, von dem Kierkegaard spricht und den Joseph Ratzinger in seinem Buch „Einführung in das Christentum“ erwähnt. Ein Clown rennt in eine Stadt, um den Menschen unter wilden Gesten zu sagen, dass der Zirkus brennt und sich das Feuer bereits auf das Dorf ausweitet. Je wilder er gestikuliert und versucht, seine Botschaft zu übermitteln, desto amüsierter sind die Menschen über diese „Clown-Vorstellung“, bis sie schließlich merken, dass es kein Witz war. Dann ist es aber schon zu spät. Das Dorf brennt ab.

So kann es auch uns gehen. Man redet, schreit, gestikuliert, sucht Wegen, neue Formen,… aber irgendwie werden wir dadurch immer lächerlicher. Dass eine solche „mittelalterliche“ Botschaft noch Antwort sein kann für die heutigen Probleme, das kann doch nur belächelt werden. Vielleicht lenkt unsere Schminke die Aufmerksamkeit zu sehr auf uns und nicht auf die echte Botschaft. Sie ist nämlich keine „die Welt geht unter“ -Botschaft, sondern eine Liebesbotschaft: „Es gibt einen Gott, der Mensch geworden ist, um uns nahe zu sein und seine bedingungslose Liebe zu offenbaren!“

Das andere Geschenk ist das eines persönlichen Licht-Seins des Boten. Lebt die Sendung in ihm (dem Christen) und er in der Sendung, so fängt er selber Feuer. Und es ist nicht sein eigenes Feuer, sein Enthusiasmus, den er verbreiten will, sondern das Feuer des Herrn, mit dem er sich nicht verwechselt. Kennt er seinen Platz, so besteht keine Gefahr der Verwechslung, Gott sorgt schon dafür. (H.U. von Balthasar, Katholisch, S.30)

Das ist die Authentizität, die die Menschen von uns erwarten. Sie ist verwurzelt in der Überzeugung, dass Christus allein Antwort ist auf die tiefe und nicht gelöschte Sehnsucht nach Liebe und Frieden, die alle Menschen erfahren. In einem solchen Rahmen findet auch Apostolat und Pastoral seine „Effizienz“. Denn sie wird nicht auf die menschliche Überzeugungskraft aufbauen, sondern auf die Schönheit und Anziehungskraft Christi.

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2 Gedanken zu “Werbung oder Mission?

  1. Pingback: Wochenendlektüre 07./08.02.215 | PTB - PAPSTTREUERBLOG

  2. Wunderbar, aktuell für mich sehr tröstlicher Text.
    Und wenn man bedenkt, dass die ratzingerische Zustandsbeschreibung mit dem Clown schon knapp 50 Jahre alt ist und immer noch trifft (so wie das Bild, das Ratzinger dann im ersten Kapitel verwendet (aus dem „SIlbernen Schuh“) von dem Missionar, der an Holz geheftet im Ozean treibt und darin die Situation des Glaubenden anundfürsich erkennt, „geheftet ans Holz, das Holz aber an nichts geheftet, treibend über dem Abgrund….“
    So kann man sich zwar nicht beruhigt zurücklegen, aber übermäßig paniken muss man nun auch nicht, weil die Kirche immer noch daher kommt wie der Clown und man sich selber vorkommt, wie nur von einem dünnen, schwankenden Holz vom Abgrund getrennt.

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