Die Schönheit der Demut

Darstellung des Herrn

Darstellung des Herrn, Ikone

 

Manchmal möchte man einen Blog zurückrufen. Fast hätte ich es mit dem Letzten gemacht: die Nostalgie der Schönheit. Das braucht es jedoch nicht, aber dennoch möchte ich einen Schritt weiter gehen. Anlass dazu war das Beten über einige einfache Sätze, dir mir zugeschickt wurden:

Wir können Gott nicht besitzen. Gott muss uns nicht mit Seiner Liebe erobern; das wäre ein Schritt zurück.

In „Nostalgie der Schönheit“ haben wir darüber gesprochen, wie Gott Antwort, einzige echte Antwort, auf unser inneres Sehnen und auch oft unsere innere Leere ist. Schönheit wollen wir besitzen, ganz und gar. Dieser existentielle Schritt ist berechtigt und wir müssen ihn gehen. Unsere Unzulänglichkeit bringt uns dazu, nach einer Erfüllung zu suchen, welche wir als Rettung empfinden. Unsere Nostalgie nach Größerem, Schönerem, Besserem müssen wir an der Hand nehmen und sie zur Fülle und Freude in Gott und an Gott führen.

Aber nun passiert etwas, das ich auch schon im anderen Blog angesprochen habe: wir stolpern fast in ein Geheimnis hinein, welches uns gänzlich überfordert. Unser ganzes „Konzept“ wird auf einmal umgeworfen. Denn wir merken, dass dieser Gott, den wir suchten, nicht einfach nur „Erfüllung meiner Sehnsucht“ ist. So als ob er der fehlende Legostein zu unserem Legohäuschen ist. Gott – der Dreifaltige Gott-  ist nicht die Ergänzung unseres „Selbst“, zu dem Ihn leider heutzutage einige viel gelesene christliche Autoren reduzieren.

Wir können Gott nicht besitzen. Erinnern wir uns daran, dass Gott in Christus auf sehr stille Weise zu uns kommt: als Kind, welches alle Zärtlichkeit der Mutter braucht und auch hervorruft. Darauf bin ich im Blog Puer natus est nobis eingegangen. Aber die Haltung Mariae bleibt die Haltung eines Geschöpfes vor Ihrem Schöpfer: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wir du es gesagt hast“ (Lk 1, 38). Die obige Ikone – die Darstellung des Herrn im Tempel – zeigt uns eine demütige Mutter Gottes (gebeugt Haltung), welche bereit ist ihr Kind Gott gänzlich zu übergeben (sie selber hat das Kind nicht in ihren Händen). In der Ikone ist die Ehrfurcht aller Figuren vor der Heiligkeit Gottes symbolisiert in den Tüchern um ihren Händen. Falls Gott angefasst wird, dann mit der Ehrfurcht des Geschöpfes vor ihrem Schöpfer. So auch heute noch beim Eucharistischen Segen.

Kard. Marc Ouellet PSS beim Eucharistischen Segen, Rom

Kard. Marc Ouellet PSS beim Eucharistischen Segen, Rom

Gott muss uns nicht mit Seiner Liebe erobern. Wieder verbinden sich auf so wunderbare Weise die anscheinenden Gegensätze. Gott kommt uns ganz entgegen und sucht die Nähe und Intimität mit uns: Menschwerdung, Eucharistie, Einheit im Gebet, Beichte,… Gleichzeitig ruft Seine Heiligkeit in uns Haltungen der Demut, der Ehrfurcht und des kindlichen Vertrauens hervor. Denn wir merken, dass Gottes Liebe gänzlich umsonst ist.

Im Evangelium folgt dann noch eine zweite Mahnung Jesu, wo er von den Einladungen spricht. Wir alle kennen dieses Karussell der Einladungen, das uns – abgesehen von schönen Aspekten – doch zum Überdruss werden kann. Jesus sagt: Steigt nicht da ein. Ladet die ein, die euch nicht einladen können: Die Lahmen, die Blinden, die Krüppel, die Armen, die Bettler… Er hat es selbst so gemacht. Er lädt uns an den Gottestisch, und er sagt uns damit, dass das Umsonst – die gratuità – wesentlich für unser Leben ist. (…) Die größten Dinge des Lebens – die Liebe, die Freundschaft, die Güte, die Vergebung – die können wir nicht bezahlen: Die sind umsonst, wie Gott uns umsonst beschenkt. So dürfen wir, mitten in allem Ringen um die Gerechtigkeit in der Welt nie das Umsonst Gottes vergessen, sondern es immer wieder geben und empfangen; immer wieder darauf bauen, dass der Herr es uns schenkt, dass gute Menschen uns das Umsonst ihrer Güte schenken, dass sie umsonst uns ertragen, umsonst uns lieben und gut sind. Immer wieder wollen wir auch selbst dieses Umsonst weitergeben, und so die Welt an Gott annähern, Ihm ähnlich werden lassen, auf Ihn hin öffnen. (Benedikt XVI, Predigt am 1. September 2013, Eucharistiefeier mit seinem Schülerkreis)

So schaukelt sich die Beziehung zwischen Gott und Mensch in die Höhe: Gott schenkt sich uns ganz und umsonst. Wir empfangen dieses Geschenk mit demütiger Dankbarkeit, Ehrfurcht und Freude; und diese unsere kindliche Haltung provoziert eine noch größere Ausströmung der Liebe Gottes über uns.

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Ein Gedanke zu “Die Schönheit der Demut

  1. Pingback: Wochenendlektüre 28.02./01.03.2015 | PTB - PAPSTTREUERBLOG

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