Wenn ich über die Erde erhöht bin…

 …werde ich alle zu mir ziehen (Joh 12,32)

Hl Herz Jesu Tutzinger Schwestern

Palmsonntag ist immer eher ein süß saurer Tag. Man weiß nicht, ob man sich freuen darf oder nicht. Denn der Einzug Christi in Jerusalem ist wohl ein Moment der Freude, für die Jünger und so auch für uns. Doch wird in der Messe die erste lange Leidensgeschichte gelesen und zeigt uns somit schon am Anfang der Karwoche die ganze und harte Wirklichkeit der Passion Christi.

Was ist die richtige innere Einstellung am Anfang einer solchen Woche? Vor den Toren Jerusalems steht eine Kirche mit dem Titel Dominus flevit. Sie erlaubt einen beeindruckenden Blick auf ganz Jerusalem. Christus selber wird dort gewesen sein und auf die Heilige Stadt hinabgeschaut haben. Auch kurz vor seinem triumphalen Einzug. Was ging in Seinem Herzen vor? Und was für eine Auswirkung haben die Empfindungen Seines Herzens auf unser Leben?

Jesaja 62 kann uns weiterhelfen. Ein Ausschnitt am Ende des Kapitels 62 wurde von den Jüngern Jesu zitiert und zwar genau beim Einzug Christi in die Stadt: „Sagt der Tochter Zion: Sieht her, jetzt kommt deine Rettung“ (Is 62, 11). Am Anfang des Kapitels steht:

Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel.

Christus kann nicht schweigen; er kann nicht tatenlos zusehen. In Ihm brennt ein Feuer, ein Wunsch, das zu erfüllen, zu dem er hier auf die Erde gekommen ist. Die Thematik dieses Kapitels ist sehr interessant: „Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer“ (Is 62, 5). Hier wird auf die Erlösung der Stadt Jerusalem durch einen Retter angespielt. Die Figur des Messias tritt klar hervor. Er wird erwartet, um das Volk Gottes wieder zu seinem alten Ruhm zurückzuführen.

Jedoch spricht das Kapitel über die Liebesbeziehung zwischen Gott und dem Volk, Gott und der Seele. Es geht hier nicht so sehr um politische Erlösung, Sieg über Feinde, Wiedererlangen von altem Ruhm, Reichtum und Beliebtheit, sondern um die Erneuerung der ursprünglichen Liebesbeziehung. Gebraucht wird das Bild der Ehe, so wie im Hohelied. Warum? Da wahre Eheliebe besondere Charaktereigenschaften zeigt, welche ihr Vorbild in der Liebe Gottes finden: exklusiv, definitiv, persönlich, ewig, völlige Selbsthingabe und in dadurch Reinheit und Erfüllung.

Nicht länger nennt man dich „Die Verlassene“, und dein Land nicht mehr „Das Ödland“, sonderen man nennt dich „Meine Wonne“ und dein Land „Die Vermählte“ (…) Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich. (Is 62, 4.5)

Darum geht es in der Karwoche. Christus steht als der Bräutigam vor dieser Stadt (Bild unserer Seele), in welcher Gnade und Sünde, Treue und Untreue, Keuschheit und Unzucht so präsent sind und immer waren, und möchte durch Sein Leiden die Braut zurückführen:

Denn so spricht Gott, der Herr: Ich habe mit dir gemacht, was du gemacht hast: du hast den Eid missachtet und den Bund gebrochen. Aber ich will meines Bundes gedenken, den ich mit dir in deiner Jugend geschlossen habe, und will einen ewigen Bund mit dir eingehen. (…) Dann sollst du dich erinnern, sollst dich schämen und vor Scham nicht mehr wagen, den Mund zu öffnen, weil ich dir alles vergebe, was du getan hast- Spruch Gottes, des Herrn. (Ez 16, 59-63)

Deswegen ist es in dieser kommenden Woche auch so heilsam, die eigenen Sünden und das Böse in unserem Leben vor Augen zu haben, aber immer mit dem demütigen Wunsch, unsere exklusive Liebe zu Christus wieder erneuern zu wollen. Denn die Liebe Christi als „umsonste“ Liebe zu erfahren, bewirkt die Bekehrung des Herzens.

Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. (Jes 42,2)

Christi Leiden ist ein sehr erhabenes und stilles Geheimnis. Immer noch wirkt sein Blut, vergossen am Kreuz, in Welt und in Kirche. Nicht dort, wo Hektik und Lärm herrschen, wo viel diskutiert und herumgeschraubt wird, sondern im Verborgenen. Sein Kreuz zieht alle Menschen an, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. Sein Heiliges Herz ist ein Feuer, welches reinigt und vereint. Sich ganz dieser Liebe zu überlassen, ist die Einladung Christi an uns für diese Karwoche. Als einzelner, als Gemeinschaft, als Kirche, um dann mit Ihm zusammen aufzuerstehen und im wirklich Neuem zu leben.

„Nur wenn Jesus auferstanden ist,  ist wirklich etwas Neues geschehen.“ (Benedikt XVI)

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