Gestalt der Gottesanwesenheit

Lesungen der Osternacht II

Ikone der Verklärung Christi

Ikone der Verklärung Christi

In der ersten Betrachtung über die Lesungen über die Osternacht habe ich über die Harmonie gesprochen. Die beiden ersten Lesungen möchten in uns hervorrufen was jeder Mensch tief im Herzen weiß: nur mit Gott kann ein Leben wirklich gelingen und Frieden wie auch Freude finden. Die dritte und die sechste Lesung können uns Zugang zu einem weiteren Grundstein der Heilsgeschichte geben. Lesen wir einen Teil aus der dritten Lesung:

Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, erhob sich und ging an das Ende des Zuges, und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat an das Ende. Sie kam zwischen das Lager der Ägypter und das Lager der Israeliten. Die Wolke war da und Finsternis, und Blitze erhellten die Nacht. So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher. (Ex 14, 19-20)

Zwei Bilder werden hier benutzt: Engel Gottes und die Wolke. Beide sind im Alten Testament oft  Synonyme für Gott selber. So vermittelt die Liturgie hier eine neue Wirklichkeit: Gott ist mit seinem Volk, er ist anwesend unter seinem Volk. Wenn man die Geschichte Gottes mit den Menschen betrachtet, ist es wie mit einem Stein der ins Wasser geworfen wird. Am Anfang konzentriert sich alles auf eine Punkt; die ganze Kraft ist geballt. Von dort jedoch wachsen langsam Wellen, die sich kreisförmig auf dem ganzen See verbreiten.

Gottes Bund mit Abraham (Genesis 12 und auch 15), aber auch schon seine Treue zu Abel und Noach, sind punktuelle Beziehungen. Die ganze Epoche der Patriarchen ist eigentlich die Beziehung zwischen Gott und einem konkreten Menschen (Abraham, Isaak, Jakob und Josef). Nur ist schon in dieser anfänglichen Gott-Mensch-Beziehung etwas ganz Neues geschehen, wie Joseph Ratzinger in seinem Buch „Einführung ins Christentum“ schreibt. Es ist ein Gott, der auf Personen bezogen ist, und nicht an einen Ort gebunden bleibt, wie fast alle anderen „Gottheiten“ der Antike. Dies gibt dem Gott der Väter einen besondern Charakter: er ist ein Gott der Menschen und somit universeller.

Die kreisförmigen Wellen der Beziehung zwischen Gott und Mensch breiten sich aus, denn durch Mose schließt Gott einen Bund mit einem ganzen Volk. Der Exodus und der Sinaibund sind der Schritt vom Patriarchen zum Volk.

Da nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Das ist das Blut des Bundes, den der Herr aufgrund all dieser Worte mit euch geschlossen hat. (Ex 24, 8)

Gott wohnt mit seinem Volk, in der Wüste und wie sie in einem Zelt. Er begleitet sie, als Engel und als Wolke. Er beschützt sie vor Feind, Hunger und Durst. Er führt sie in ein neues und gelobtes Land, wo er seinen Bund mit diesem Volk durch den König David zur Krönung führt. Aber auch dies ist noch nicht genug. So wie schon Abraham versprochen wurde, dass aus ihm eine Volk wird, so ist nun König David Typos für ein künftiges noch größeres Königtum.

Die sechste Lesung präsentiert uns mit geheimnisvollen Worten diese neue und noch weitreichendere Ordnung in Gottes Heilsplan:

Dann erschien sie [die Weisheit] auf der Erde und hielt sich unter den Menschen auf. Sie ist das Buch der Gebote Gottes, das Gesetz, das ewig besteht. Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben; doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod. (Bar 3, 38- 4,1)

Der Begriff der Weisheit im Alten Testament öffnet uns ein neues Verständnis für Christus. Er ist die Weisheit, der Logos, der von Gott kommt und alles Alte zur Erfüllung führt und gleichzeitig alles neu macht. Alle, die an der Weisheit festhalten, werden zum Volk Gottes. Dies ist eine Revolution: denn nun ist es nicht mehr die Blutsverwandtschaft, die dich einfügt ins Volk des Herrn, sondern das Festhalten an der Weisheit. In Christus eingegliedert zu sein und aus Ihm Leben schöpfen, heißt teilhaben am Volk Gottes.

Hier können wir die siebte Lesung der Osternacht einbauen. Denn Ezechiel prophezeit über den Neuen Bund und die Neue Ordnung, die in Christus ihre Erfüllung findet:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt. Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gab. Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein. (Ez 26, 38-38)

So sieht man eine wundervolle Verbindung zwischen den verschiedenen Lesungen der Osternacht. Es sind nur Skizzen, die man hier anfertigen kann, und die den Reichtum dieser Liturgie nicht annähernd erfassen können. Aber schon mit Skizzen kann man einiges erahnen, das uns anregt immer auf das große Bild der Heilgeschichte zu schauen, und uns nicht zu verlieren im Wald der Probleme die im Heute und Hier uns oft erdrücken wollen.

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Ein Gedanke zu “Gestalt der Gottesanwesenheit

  1. „Skizzen“ haben zuweilen den Vorteil, daß sie andeuten und einen Raum öffnen, ohne „abzufertigen“ und diesen Raum gleich wieder zu schließen – für diese Skizzen vielen Dank!

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