Wo deine »Synthese« liegt, da ist dein Herz!

Pelikan

Pelikan- Symbol Christi, der uns mit seinem Leib ernährt.

Wo deine »Synthese« liegt, da ist dein Herz. (Papst Franziskus, Evangelii gaudium 143)

Was mag das bedeuten? Was ist eine Synthese? Synthese könnte man definieren als: der Punkt, von dem man alles in Einem erfasst. Es geht nicht nur um einen oberflächlichen Überblick, sondern das tiefgreifende Verständnis einer Ganzheit. Nun wende man dies aufs Leben an: suchen wir nicht immer nach einer Synthese? Oder in anderen Worten: nach dem Sinn im Leben? Dem, was unserem Leben die wirkliche Einheit gibt? Nichts bringt den Menschen mehr aus dem Gleichgewicht als die Unstimmigkeit seiner inneren Motivationen, die fehlende Kohärenz in seinem Leben: ich bin von diesem oder jenem überzeugt, bringe aber mein konkretes Verhalten nicht in Einklang mit meiner Überzeugung. Wie sehr spricht uns der Ausruf des Hl. Paulus aus dem Herzen: „Denn ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse“ (Rm 7, 15). Der Apostel jedoch bleibt nicht dabei stehen, sondern sucht die Einheit in seinem Leben, so dass er ausrufen kann:

(…) bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. (Eph 4, 3-6)

Ich möchte in diesem Artikel auf das eingehen, was wir in diesem Monat feiern: das Herz Jesu. Dabei reicht es mir einige Zitate Papst Benedikts aus dem Brief an Pater Peter-Hans Kolvenbach S.J. zu erwähnen und zu kommentieren.

Wenn wir uns die Frage nach der Synthese unseres Lebens als Katholiken – sowohl individuell, aber auch kirchlich – gestellt haben, so finden wir die Antwort im Herzen Jesu. Nicht als überzogen-frömmelnde Verehrung, sondern als lebendiger Kontakt mit der leidenschaftlichen Liebe Gottes, welche in Christus Fleisch geworden ist:

Dieses Geheimnis der Liebe Gottes zu uns ist aber nicht nur Gegenstand der Herz-Jesu-Verehrung: Es ist in gleicher Weise der Inhalt jeder echten Spiritualität und christlichen Frömmigkeit. Daher ist es wichtig zu betonen, dass die Grundlage dieser Verehrung so alt ist wie das Christentum selbst. (Benedikt XVI, Brief an Pater Peter-Hans Kolvenbach S.J.)

Das Gegenteil von Synthese ist die Analyse: das sich Konzentrieren auf Einzelheiten. Analyse – so notwendig sie ist – neigt dazu, sich in den Einzelheiten zu verlieren. Nur wenn diese eingebaut sind in die Ganzheit, gewinnen sie an Bedeutung und auch an Kraft. In meinem Blog „Sind wir konsequent?“  habe ich auf die Gefahr in der Kirche aufmerksam gemacht, sich in unserer Zeit in Einzeldiskussionen zu verlieren. Der Schritt von der Analyse zu Synthese ist also wichtig: er führt uns zurück zu Frage, die wir uns Christen alle stellen müssen: wer ist Christus wirklich für mich? Woraus schöpfe ich die tiefe und echte Ausrichtung in meinem Leben, welche mir den inneren Frieden schenkt, aber auch mein Denken, Wollen und Tun motiviert und leitet?

Die durchbohrte Seite des Erlösers ist die Quelle, auf die uns die Enzyklika Haurietis aquas verweist: Aus dieser Quelle müssen wir schöpfen, um zur wahren Kenntnis Christi zu gelangen und seine Liebe in größerer Tiefe zu erfahren. Auf diese Weise werden wir besser begreifen können, was es heißt, in Jesus Christus die Liebe Gottes zu »erkennen«, sie im festen Blick auf ihn zu »erfahren«, bis wir ganz aus der Erfahrung seiner Liebe »leben«, um sie dann den anderen Menschen »bezeugen« zu können. Denn – um eine Aussage meines geliebten Vorgängers Johannes Paul II. aufzugreifen – »beim Herzen Christi lernt das Herz des Menschen, den wahren und einzigartigen Sinn seines Lebens und seiner Bestimmung erkennen, den Wert eines wahrhaft christlichen Lebens begreifen, sich vor gewissen Entartungen des menschlichen Herzens zu schützen und die Liebe eines Kindes zu Gott mit der Liebe zum Nächsten zu vereinen. So wird auf den Trümmern, die von Hass und Gewalt aufgehäuft wurden, die so sehr erhoffte Zivilisation der Liebe, das Reich des Herzens Christi, errichtet werden können. Das ist in Wahrheit die Wiedergutmachung, die vom Herzen des Erlösers gefordert wird« (Brief an den Generaloberen der Gesellschaft Jesu, in O.R. dt., Nr. 42, 17.10.1986, S. 11). (Benedikt XVI, Brief an Pater Peter-Hans Kolvenbach S.J.)

Wir sehen, wie wesentlich die Herz-Jesu Verehrung für unser christliches und ich würde sogar sagen für jedes echt menschliche Leben ist. Sie öffnet uns das Tor zur Krönung der Heilgeschichte. Was Gott schon im Alten Testament über sich angedeutet hat, findet Erfüllung im durchbohrten Herzen Jesu (vgl. Joh 19, 36): nämlich dass Er, Gott, „impassibilis sed non incompassibilis“ (Bernardo di Chiaravalle) ist- d.h. vielleicht ohne Leidenschaft (als Geist und die Vollkommenheit), aber nicht ohne Mitleid. Im Herzen Jesu öffnet Gott gänzlich Sein Herz; er kann uns nicht aufgeben:

Wie könnte ich dich preisgeben, Efraim, wie dich aufgeben, Israel? Wie könnte ich dich preisgeben wie Adma, dich behandeln wie Zebojim? Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf. (Osea 11, 8)

Es ist die Bitte Gottes, uns einzulassen auf Seine Lieben. „Wo es keine Liebe gibt, dort lege Liebe hinein, und du wirst Liebe herausholen“ (Hl. Johannes vom Kreuz). So handelt Gott. Seine Liebe ist eine Herausforderung für uns.

Wer die Liebe Gottes innerlich annimmt, wird von ihr geformt. Die Erfahrung der göttlichen Liebe wird vom Menschen als »Ruf« erlebt, auf den er antworten muss. Der Blick auf den Herrn, der »unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen« hat (Mt 8,17), hilft uns, aufmerksamer zu werden für das Leiden und die Bedürfnisse anderer. Die anbetende Betrachtung der von der Lanze durchbohrten Seite macht uns für den Heilswillen Gottes empfänglich. Sie verleiht uns die Fähigkeit, uns seiner heilbringenden barmherzigen Liebe anzuvertrauen, und bestärkt uns zugleich in dem Verlangen, an seinem Heilswerk dadurch teilzunehmen, dass wir zu seinen Werkzeugen werden. (Benedikt XVI, Brief an Pater Peter-Hans Kolvenbach S.J.)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s