Quodlibet

Advent

20130323_337

Kraut und Rüben haben mich vertrieben.

Ich bin so lang nicht bei dir g(e)west, ruck her, ruck her, ruck her 

Kann man aus diesen „Gassenhauern“ ein ernsthaftes Musikstück komponieren? Bach hat es gemacht: im Quodlibet der Goldbergvariationen (hier eine Aufnahme von Murray Perahia: link).

Im Quodlibet nehme man verschiedene Lieder, und verbinde sie zu einem Musikstück. Eigentlich kann da nur eine Katastrophe herauskommen. Aber nicht, wenn  ein Komponist aus den Gegensätzen und der Dissonanz Einheit und Konsonanz schafft.

Die Szenen, die sich in der Grotte Bethlehems abspielen, sind ein Quodlibet.  Größere Kontraste können wir uns nicht vorstellen: von armen Hirten zu reichen Königen, von Menschen zu Gott. Jedoch alles vereint in einer unscheinbaren Person: dem Kind in der Krippe. Dieses Kind gibt allem seine Ordnung und Ausrichtung: den Hirten, die verstreut leben in den Wüsten Judäas, den Königen, die eine Lebensreise auf sich genommen haben, ohne genau zu wissen wohin, Joseph, der vor dem Geheimnis der Jungfräulichen Empfängnis Christi steht, Maria, die auf einmal Mutter Gottes des Herrn ist. Dieses Quodlibet, das mehr Fragen als Antworten aufwirft, wird konsonant allein durch eine Person.

Als sich die Menschen in Babel zu Gott machen wollten, entstand Dissonanz unter den Menschen. Kein Mensch verstand mehr den anderen; kein konsonantes Lied konnte mehr gesungen werden. Als in Bethlehem Gott Mensch wurde, erklang Konsonanz. Der Mensch findet nun wieder eine Einheit, auch in den Unterschieden. Die Menschen sind wieder fähig geworden, zueinander zu finden und echte Gemeinschaft in Christus zu bilden. Die Universalität der Kirche und des Christentums ist nicht nur eine horizontale Universalität, sondern auch eine vertikale. Nicht nur Menschen aus verschiedenen Nationen finden sich vereint im Leib Christi, sondern auch Menschen aus verschiedensten familiären und sozialen Hintergründen.

So antwortet das Quodlibet, das in Bethlehem erklingt und seinen Komponisten im Christkind findet, auf die zweite der tiefen Sehnsüchte des Menschen: echte und wesentliche Gemeinschaft finden.

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