Vom wahren Sinn der Barmherzigkeit

Gedanken zur Fastenbotschaft des Papstes

Die Liturgie am Anfang der Fastenzeit ist sehr auf die Nächstenliebe und Barmherzigkeit ausgerichtet. Wir wissen, dass diese Botschaft auch für Papst Franziskus zentral ist. Ich möchte in dieser Betrachtung versuchen heraus zu arbeiten, was hinter diesem so zentralem christlichen Aufruf nach Nächstenliebe und Barmherzigkeit steckt.

Leider scheinen die Medien das „public imaging“ des Papstes und der Kirche zu übernehmen und so wird schnell Nächstenliebe und Barmherzigkeit reduziert auf Installieren von Duschen für Bettler oder kostenloses Haareschneiden für die römischen „Barboni“. Aber es wäre nicht nur schade, Nächstenliebe darauf zu begrenzen, sondern würde ganz daneben greifen. So möchte ich anhand der Fastenbotschaft von Papst Franziskus zeigen, worum es wirklich geht. Was ist der Geist, der hinter der christlichen Nächstenliebe, die gelebt werden soll, steckt?

Papst Franziskus beginnt mit einem großen theologischen „Rahmen“, welcher Herz ist aller konkreten Werke der Barmherzigkeit: der Bund Gottes mit den Menschen. Als Vorbild dient die Selige Jungfrau Maria:

So wird die Jungfrau von Nazareth, die Verlobte Josefs, zum vollkommenen Bild der Kirche, die das Evangelium verkündet, weil sie selbst durch das Wirken des Heiligen Geistes, der ihren jungfräulichen Schoß fruchtbar gemacht hat, vom Evangelium durchdrungen wurde und immer neu durchdrungen wird. (Papst Franziskus, Fastenbotschaft 2016)

So wie sie Gottes Wort nicht nur in ihrem Mutterschoß aufgenommen hat, sondern in ihrem Leben, so soll auch die Kirche die Liebe Gottes in sich aufnehmen. Diese Liebe wird von Papst Franziskus mit dem Symbol der Eheliebe beschrieben, so anwesend in den Propheten, besonders in Hoseas.

Als Sohn Gottes ist er der Bräutigam, der alles unternimmt, um die Liebe seiner Braut zu gewinnen, an die ihn seine bedingungslose Liebe bindet, die dadurch sichtbar wird, dass er sich auf ewig mit ihr vermählt.

Dies ist der lebendige Kern des apostolischen Kerygmas, in dem die göttliche Barmherzigkeit eine zentrale und grundlegende Stellung einnimmt. Es ist »die Schönheit der heilbringenden Liebe Gottes, die sich im gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus offenbart hat« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 36) (Papst Franziskus, Fastenbotschaft 2016)

Nun aber ist dies ein Aufruf, innerhalb dieser Liebesbeziehung, welche Gott uns anbiete, zu verweilen. Umkehr und Reue ist das Bewusstsein, dass wir der Liebe Gottes nicht immer entsprochen haben. Und so ist das Herz der göttlichen Barmherzigkeit, der Wunsch Gottes, uns von der Sünde zu befreien und wieder hineinzunehmen in seinen Liebesbund.

Die Barmherzigkeit »drückt [dann] die Haltung Gottes gegenüber dem Sünder aus, dem er eine weitere Möglichkeit zur Reue, zur Umkehr und zum Glauben anbietet« (Misericordiae Vultus, 21), um auf diese Weise die Beziehung zu Ihm wiederherzustellen. (Papst Franziskus, Fastenbotschaft 2016)

Die Armut, welche gerade unsere Welt heimsucht, ist somit nicht mit der materiellen Armut gleichzusetzen. Es geht um eine tiefere Armut:

Vor dieser Liebe, die stark ist wie der Tod (vgl. Hld 8,6), erweist sich jener als der Ärmste, der nicht bereit ist, seine Armut einzugestehen. Er meint, reich zu sein, ist aber in Wirklichkeit der Ärmste unter den Armen. Denn er ist Sklave der Sünde, die ihn dazu drängt, Reichtum und Macht nicht zum Dienst an Gott und am Nächsten einzusetzen, sondern um in sich das tiefe Wissen zu ersticken, dass auch er nichts als ein armer Bettler ist. (Papst Franziskus, Fastenbotschaft 2016)

So sind die Werke der Barmherzigkeit und die Botschaft des Christentums, nicht eine „Charta der Philantropie“. Wahre Barmherzigkeit ist es, unseren Mitmenschen zu helfen, sich dem Erlöser zu öffnen, um gereinigt von der Sünde, einzugehen in eine erneuerte Liebesbeziehung zu Gott.

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