Amor meus, pondus meum

Fünfter Fastensonntag

Statue des Hl. Paulus, Petersdom

Statue des Hl. Paulus, Petersdom

In deiner Gabe wollen wir ruhen, dort deiner genießen. Dort ist unsere Ruhe, unsere Stätte. Dorthin erhebt uns die Liebe und dein guter Geist erhöhet unsere Niedrigkeit über die Pforten des Todes. Im guten Willen ist Friede für uns. Ein Körper strebt durch eigenes Gewicht zu seinem Mittelpunkt. Dies Gewicht zieht ihn nicht nur nach unten, sondern zu seinem Orte. (…) Weniger geordnet, sind sie unruhig; wenn sie geordnet sind, ruhen sie. Mein Gewicht ist meine Liebe; durch sie werde ich getrieben, wohin ich immer getrieben werde. (Augustinus, Bekenntnisse, 13, 9)

„Gewicht“ und „Wichtigkeit“ sind etymologisch verbunden. In der Welt der physischen Gesetze sind schwere Körper wesentlich, um Beziehungen zu bestimmen. Vor einigen Monaten erst, wurden erstmals eine Gravitationswellen gemessen. Damit wurde bestätigt,  dass bewegliche (massive) Körper einen besonderen Einfluss auf ihre Umwelt haben und Abstände strecken und stauchen können.

Dies in der Welt der Körper. Aber auch im Psychischen und im Geistlichen können wir eine ähnliches „Phänomen“ beobachten. Vieles in unserem Leben ist relativ. Das heißt, dass das Gewicht, welches wir einer Situation, eines Ereignisses, einer Beziehung,… zuteilen, sehr mit den Umständen des Lebens und mit uns selber zutun haben. Was für jemanden „wichtig“ ist, mag für einen anderen „unwichtig“ sein. Was mir einmal im Leben „wichtig“ vorkam, mag Tage, Monate oder Jahre danach“unwichtig“ geworden sein.

Personen wie der Hl. Paulus und der Hl. Augustinus sind erstaunliche Beispiele für dieses „Gravitationsspiel“ des geistlichen Lebens. In ihrem Leben tritt ein „Körper“ ein, welcher an Gewicht und Kraft alles übertrifft. Sofort sackt für beide alles andere ein Stockwerk nach unten; allein dieser „Körper“ ist es wert, die erste Stelle einzunehmen. Oder anders ausgedrückt: dieser „Körper“, welcher an Anziehungskraft alles übersteigt, richtet alle kleinen Teilkörper des Lebens auf sich aus.

Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. (Phil 3, 8-9)

Dieser Satz des Hl. Paulus bringt uns zum Kern seiner Christuserfahrung. Die Person Christi nimmt die ganze Breite seines Lebens ein. Nur eines ist nun lebenswert; alles andere wird als „Unrat“ empfunden. Nicht, weil es in sich schlecht ist, sondern weil es nicht vergleichbar ist mit der ´Länge und Breite, der Höhe und Tiefe der Liebe Gottes´.

In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt. (Eph 3, 18)

Dies ist eine Aufforderung an uns. Wer ist Christus für mich? Lebe ich in meinem Glauben an Ihn konsequent? Nicht aus Zwang, sondern weil Christus meine ganze Lebensbreite einnimmt? Hier geht es nämlich um sehr viel: um Gott selber, um das einzige Ziel und die einzige Erfüllung meiner Existenz, nicht nur meines so flüchtigen Lebens. Man muss sich dem „Aufprall“ Gottes und Seiner Wahrheit aussetzten und die Kraft ausnützen, um in das Gravitationsfeld Gottes zu gelangen.

Auf der anderen Seite steht die Schwerkraft der Liebe Gottes: Das Geliebtsein von ihm und die Antwort unserer Liebe zieht uns nach oben. Zwischen dieser doppelten Gravitation steht der Mensch, und alles käme darauf an, daß er dem Schwerefeld des Bösen entrinnt und frei wird, sich ganz von der Schwerkraft Gottes anziehen zu lassen, die uns wahr macht, die uns Höhe gibt, die uns die wahre Freiheit schenkt. (Benedikt XVI,  Palmsonntag, 17. April 2011)

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