Himmel

Osterbetrachtung

Petersdom, Gloria di Bernini

Petersdom, Gloria di Bernini

Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. (Mt 27, 51)

Dieses Ereignis, kurz nach dem Tod von Christus, hat einen unglaublichen symbolischen Wert, der in den Kern des Ostergeheimnisses vordringt. Die Schöpfung wurde durch Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes von Grund auf neu geordnet. Die großen und anscheinend unüberwindlichen Grenzen zwischen Gott und Mensch, Leben und Tod, Himmel und Hölle sind überwunden.

Ich möchte hier einen Text von Joseph Ratzinger, Benedikt XVI, anbringen, der in dichten Worten das Herz der Osterbotschaft und des Himmels freilegt.

Mit dem Bildwort Himmel, das an die natürliche Symbolkraft des „Oben“, der Höhe anknüpft, benennt die christliche Überlieferung die endgültige Erfüllung der menschlichen Existenz durch die erfüllte Liebe, auf die der Glaube zugeht. Solche Erfüllung ist für den Christen nicht bloß Zukunftsmusik, sondern die reine Darstellung dessen, was in der Begegnung mit Christus geschieht und in ihr grundlegend, seinen Wesenskomponenten nach, schon gegenwärtig ist. Nach dem „Himmel“ fragen, heißt daher nicht, in schwärmerische Phantasie abgleiten, sondern jene verborgene Gegenwart tiefer erkennen, die uns wahrhaft leben lässt und die wir uns doch immer wieder durch das Vordergründige verdecken und entziehen lassen.

Himmel ist folglich zunächst christologisch bestimmt. Er ist nicht ein geschichtsloser Ort, „in den“ man kommt; dass es „Himmel“ gibt, beruht darauf, dass Jesus Christus als Gott Mensch ist, dem menschlichen Sein einen Ort in Sein Gottes selbst gegeben hat (vgl. Rahner, Auferstehung des Fleisches, 221). Der Mensch ist im Himmel dann und in dem Maß, in dem er bei Christus ist, womit er den Ort seines Seins als Mensch im Sein Gottes findet. So ist Himmel primär eine personale Wirklichkeit, die auf immer von ihrem geschichtlichen Ursprung im österlichen Geheimnis von Tod und Auferstehung geprägt bleibt. (J. Ratzinger, Eschatologie, 185-186)

Der Riss des Vorhangs symbolisiert somit den definitiven Einbruch Gottes in die menschliche Sphäre. Durch diesen Einbruch ist nun Gott durch Christus ganz im Menschen, der Mensch in Christus ganz in Gott, und so Himmel schon jetzt in und unter uns anwesend. Das „schon-jetzt“, aber „noch-nicht“ der Eschatologie zeigt uns, dass die Verheißung in uns schon lebt, aber gleichzeitig auf eine entgültige Erfüllung am Ende der Zeiten weißt. Gerade dieses „schon jetzt“ gibt uns Kraft, dem „noch nicht“ mit Vertrauen und Freude entgegen zu gehen.

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