Der leere Raum

Christi Himmelfahrt und Pfingsten

Transfiguration, Raffael

Transfiguration, Raffael

Das Gemälde von Raffael ist bekannt. Es trägt den Titel „Transfiguration“, das heißt Verklärung Christi. Ich erlaube mir mit in einer kurzen Analyse dieses Gemäldes über den Sinn Christi Himmelfahrt und Pfingsten zu schreiben.

Die Komposition des Bildes ist in zwei Abschnitte geteilt. Der obere, welche die Transfiguration darstellt, der untere welcher den Kampf mit einem Besessenen verbildlicht. Neben der glorreichen Figur Christi, welche durch Stellung und Helligkeit heraus sticht, zieht eine andere Figur die Aufmerksamkeit auf sich und zwar die kniende junge Frau im unteren Teil des Bildes.

Transfiguration, Raffael, Ausschnitt

Transfiguration, Raffael, Ausschnitt

Sie befindet sich mitten in einer Situation der Verwirrung und Beunruhigung. Einige Figuren sind bemüht den Besessenen zu kontrollieren, andere zeigen auf den so entrückten Herrn, als ob dieser dem Knaben helfen könne. Der Vater des Knaben erwartet verzweifelt von den Aposteln, ihre Macht an den Dämonen auszuüben und den Dämon auszutreiben. Alle drücken die Qual derer aus, die einer Situation nicht gewachsen sind.

Die helleren Töne, mit denen das kniende Mädchen gemalt wurde, wie auch ihre Stellung, stimmen mit ihrer Umgebung nicht überein. Diese bildliche Dissonanz zeugt von ihrer inneren Dissonanz mit der Umgebung. Sie erfasst und versteht mehr als alle anderen. Die Aufmerksamkeit der Apostel ist auf den besessenen Knaben gerichtet; der Blick dieser geheimnisvollen Frau jedoch ganz in eine andere Richtung. Sie blickt in einen leeren Raum, der sich zwischen ihr und den beiden Aposteln (dem sitzenden und dem deutenden) bildet.

Dieses Mädchen stellt den Glauben dar, welcher in der Verwirrung der Welt und der scheinbaren Abwesenheit des Erlösers die Anwesenheit des Geliebten und Erhofften erfasst. Der leere Raum zwischen ihr und den beiden Aposteln ist in Wahrheit nicht leer. Er ist erfüllt von Christus, anwesend mitten unter ihnen. Nur sie ist fähig, den Herrn zu sehen.

Ostern ist das Fest der Erscheinungen des Auferstandenen. Er ist mitten unter den Aposteln, isst und trinkt mit ihnen. Christi Himmelfahrt entrückt den Erlöser in den Himmel. Ein Leerraum entsteht. Pfingsten jedoch füllt diesen Leerraum. Dieses Fest ist die Sendung des Heiligen Geistes, welcher unsere Seele zu dieser jungen Frau werden lässt, die fähig ist, Christus auch im Dunkel dieser Welt zu erfassen und ihn kniend anzubeten.

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