Der Kleine Prinz

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“

"Man sieht nur mit dem Herzen gut", Der Kleine Prinz

 Der Kleine Prinz

Bonum Faciendum, Malum Vitandum. Dies ist die Grundregel der Moral. Pflicht, Pflichtbewusstsein, gewissenhaftes Leben, Erfüllen der Erwartungen, Verantwortungsbewusstsein und Gewissenhaftigkeit. Alles Werte, die besonders in unserer Kultur geschätzt werden.  „Das macht man so“ ist wohl die Grundregel, die keiner anzweifeln darf.

Aber oft hört man auch ein „im Grunde sollte ich dies tun“. Damit möchte ausgedrückt werden, dass man im Inneren eine Sicherheit hat, was zu tun und zu unterlassen ist. Nur manchmal hält man sich nicht daran. Dann ist ein „im Grunde sollte ich…“ angebracht, um sich aus dem Dilemma zu befreien.

Joseph Ratzinger, in einem Artikel über die Verehrung des Herzens Jesu, zitiert ein Kinderbuch. Den kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry:

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz, Kapitel 21).

Was hier ins Sentimentale abzurutschen scheint, ist eine sehr tiefe Lebenswahrheit. Die Frage nach dem, was ich zu tun und zu unterlassen habe, geht sehr viel tiefer als ein Abhaken von Möglichkeiten und eine Wahl der „richtigen“ Handlung. Es ist nicht ein „das macht man so“. Die „Unterscheidung der Geister“ von Hl. Ignatius von Loyola könnte ein bisschen in dieser Richtung missverstanden werden. Ich habe zwei oder mehrere Möglichkeiten und nach einer inneren Abwägung wähle ich eine, die ich (vor Gott und meinem Gewissen) für richtig halte.

Es geht jedoch im Leben um sehr viel mehr, als um ein reines „gewissenhaftes Handeln“. Jede Handlung ist auf ein Ziel hin ausgerichtet, so wie die Schöpfung selber (vgl. Hl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae I, 44). Wir wurden nicht ins Leere geschaffen, sondern um ein Ziel zu erreichen. Dieses Ziel ist Gott selber, die Erfüllung und Vollkommenheit aller Geschöpfe. Dieses Ziel ist ein Drang, eingeschrieben in die ganze Schöpfung: „Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Römer 8, 22). Um so mehr zieht es uns – geschaffen im Abbild Gottes – zur letzten Vereinigung mit Ihm.

Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. (Römer 8, 23)

Somit ist tief in unserem Herzen ein Kompass eingebaut, welcher uns zu Gott führen soll. Wir nennen es das Gewissen. Aber es ist den kirchlichen Autoren nicht fern, ähnliche Worte wie die des Kleinen Prinzen zu gebrauchen und gerade im „Herzen“ diesen Sinn für Gott, für die Liebe, für die Vollkommenheit, für die Erfüllung, zu entdecken: „Amor oculus est et amare videre est“ (Hugo von S. Viktor).

Somit wird das Leben kein trockenes Abwägen von dem was „richtig“ oder „falsch“ ist. Das Herz ist vielmehr wie ein Magnet, welches gezogen ist in eine Richtung. Dem Gewissen in vollkommener Weise zu folgen, heißt, diesem Drang nach Gott die Freiheit zu geben, die Ausrichtung und notwendige Nahrung. Es heißt, unser ganzes Leben auszurichten auf Gott hin, in allen seinen Dimensionen. Es heißt, die Liebe in Wahrheit zu leben (caritas in veritate).

Wenn wir so am heutigen Tag das Hochfest des Allerheiligsten Herzens Jesu feiern, dann um gerade dort anzusetzen, wo der Mensch ganz Mensch ist. Gerade in der Verehrung und Beziehung zum Herzen Jesu, findet der Mensch sich selber. Dort wird er Mensch, denn er kann sich gänzlich mit seinem Ziel vereinen. Dort findet die Moral, d.h. die „Kunst des guten Lebens“, ihre entgültige Ausrichtung und Tiefe.

 

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