Mit dem Herzen sprechen

Zweite Betrachtung zum Herz-Jesu Monat

Zeichnung von der Hl. Therese von Lisieux

Zeichnung von der Hl. Therese von Lisieux

„Mit dem Herzen sieht man am besten“, so der kleine Prinz. Das Herz deutet uns eine Richtung. Es ist ein Kompass, der hilft unser echtes und einziges Ziel zu erreichen: Gott. Voraussetzung dafür ist ein tiefe, persönliche Aufrichtigkeit gegenüber dem, was wir als das Richtige und Wahre „erspüren“.

Aber mit dem Herzen spricht man auch am besten. Es geht um sehr viel mehr als ein nettes und ein bisschen süßliches „Sprechen mit dem Herzen“. Es geht um die Beziehung zu Gott. Mit und in dieser Beziehung steht und fällt alles in unserem Leben. Ich erlaube mir, einige Gedanken von Joseph Ratzinger zum Thema „Herz“ zu erwähnen.

Der Begriff „Herz“ ist sehr inhaltsreich. Für uns ist es zum einen ein Organ, zum anderen ein Ausdruck für Liebe und Zuneigung. In der Biblischen Tradition jedoch geht es um sehr viel mehr. Das Herz wird verstanden als der Ort der Lebensentscheidungen. Dort bildet sich unsere eigene Identität, unser „Ich“. Während die „Nieren“ im Alten Testament eher die emotionale und leidenschaftliche Liebe ausdrücken wollen, so drückt das „Herz“ die Liebe aus, die das ganzen Leben in Anspruch nimmt.

Die Kirchenvätern schöpfen aus der Tradition des Alten und Neuen Testamentes, aber bauen auch Elemente der griechischen Anthropologie ein.  Das Herz wird bei ihnen (z.B. bei Origines) als Zentrum und „Hegemonicon“ empfunden, d.h. als das bestimmende und maßgebende Vermögen unseres Menschseins.

So wurde in der christlichen Spiritualität das „Herz“ immer mehr als Ort der Begegnung mit Gott verstanden. Pascal schreibt: „Dieu sensible au coeur, no à la raison.“  (Preuves par discours I, Laf. 424, Sel. 680). Auch das Motto John H. Newmans ist bekannt: „Cor ad cor loquitur“. Der so inhaltsreiche Begriff von Herzem wirft dann auch ein neues Licht auf das Verständnis von Gebet.

Gebet ist „performativ“, d.h. es verändert. Es ist nur wirklich Begegnung mit Gott, wenn es unser ganzes Leben anspricht. Jedoch nicht ein eher banales Hineinbringen unseres Lebens ins Gebet. Denn dann gleichen wir Gott leicht an unser Leben an. Es geht  vielmehr darum uns durch das Gebet ganz in Gott zu versetzen.

Die obige Zeichnung, ein Bild der Hl. Therésè, ist somit unglaublich suggestiv und bedeutsam. Denn gerade darum geht es: wir gehen ganz ein ins Herz Gottes, in Gottes Wirklichkeit. Gebet ist liebevolle Anpassung unseres Lebens an Gott. Dies lässt uns Ruhe finden und Frieden erfahren.

So verwirklicht sich im echten Gebet des Herzens folgende Bitte:

  Anima Christi, sanctifica me.
(…)
Intra tua vulnera absconde me.
Ne permittas me separari a te.
Ab hoste maligno defende me.
In hora mortis meae voca me.
Et iube me venire ad te,1)
Ut cum Sanctis tuis laudem te.
In saecula saeculorum. Amen.

Seele Christi, heilige mich,
(…)
Birg in deinen Wunden mich,
von dir lass nimmer scheiden mich,
vor dem bösen Feind beschütze mich.
In meiner Todesstunde rufe mich,
zu dir kommen heiße mich,
mit deinen Heiligen zu loben dich
in deinem Reiche ewiglich Amen.

(Anima Christi, Gebet aus dem 14. Jahrhundert)

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