Konsistenz der Ewigkeit

Nach mehreren Monaten ohne Veröffentlichung eines Textes, möchte ich mich nun persönlich an die Leser wenden. Ich durfte am 10. Dezember 2016 die Priesterweihe in Rom empfangen, zusammen mit 35 Mitbrüdern unserer Kongregation, und danke allen, die uns im Gebet begleitet haben. Auf meiner Facebookseite teile ich gerne einige Bilder von diesem wunderbaren Moment. Nun möchte ich wieder einen Blog anbieten und hoffe darauf in Zukunft regelmäßiger zum Schreiben zu kommen. 

Unsere Zeitlichkeit und die Menschwerdung

El Greco, Die Anbetung der Könige

El Greco, Die Anbetung der Könige

Vor ein paar Tagen hörte ich während eines Winterspaziergangs im Schneetreiben das erste Klavierkonzert von Tschaikowsky. Der Komponist ist bekannt für seine weitreichenden Passagen, die nur so strotzen vor Lebensfreude und Größe. Jedoch sticht dieses Konzert heraus. Denn gen Ende des Satzes und somit des ganzen Konzertes baut sich eine ungeheure Melodie auf. Das ganze Orchester unterstützt und gleichzeitig getragen vom Klavier entwickelt ein gewaltiges Thema, das wohl durch seine Kraft und Weite einen besonderen Stellenwert innerhalb der klassischen Musik innehat (hier das Finale des dritten Satzes mit der besagten Melodie: Link).

Man spürt hier den menschlichen Geist, der sich so eingeengt weiß in die Zeitlichkeit und diese zu sprengen versucht. Diese Melodie ist Ausdruck der menschlichen Erfahrung. In allem „platzt der Mensch aus seinen Nähten“. Überall merkt er, dass in seiner Zeitlichkeit ein Same der Ewigkeit steckt. Sie ist wie ein Aufschrei voll Lebensfreude und Erwartung, aber auch voll innerer Verzweiflung, dass das Endgültige noch nicht erreicht ist. Man hört diese Passage und meint nun endlich das ALLES erreicht zu haben, aber gleichzeitig weiß man, dass es nicht haltbar ist. Es bricht weg. Dies ist oft die Verzweiflung unsere menschlichen Existenz. Die Konsistenz der Ewigkeit, die wir hier schon flüchtig erfahren dürfen, zerbröckelt immer wieder in der Zeitlichkeit.

Nun haben wir gerade erst Weihnachten erlebt und gefeiert. Die oft so einfache, aber tiefe liturgische Sprache, nimmt genau diese Tragik unseres Menschseins auf. In der Fürbitte zur zweiten Vesper des Weihnachtstages heißt es:

König vor aller Zeit und in Ewigkeit, du hast dich eingrenzen lassen in die kurze Spanne menschlichen Lebens, gib den sterblichen Menschen Anteil an deiner Ewigkeit.

Die Antwort auf diese Frage nach der Ewigkeit wird beantwortet von einem Gott, der sich „eingrenzen lässt“, um somit den eingegrenzten Menschen wieder die Grenzenlosigkeit der Ewigkeit zu eröffnen.

In der erste Lesung des heutigen Sonntags heißt es: „Jetzt hat der Herr gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht gemacht hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammle“ (Jesaja 49,5). Unsere Heimat jedoch ist die Ewigkeit. Zu dieser Heimat möchte uns Christus durch seine Menschwerdung zurückführen.

Deshalb wird bei unserer Wiedergeburt die Taufe in dreifachem Sinn vollzogen: der Vater begnadigt uns zur Wiedergeburt durch seinen Sohn im Heiligen Geiste. Denn jene, die den Heiligen Geist empfangen und in sich tragen, werden zum Worte, d.h. zum Sohne, geführt. Der Sohn aber führt sie zum Vater, und der Vater macht sie der Unvergänglichkeit teilhaft. (Hl. Irenäus von Lyon, Aus dem Erweis der apostolischen Verkündigung)

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