Die Freiheit des Wesentlichen

„Sie tragen Frucht noch im Alter“

Rembrandt, Heiliger Paulus im Gefängnis

Wenn man sich mit den Briefen des Heiligen Paulus beschäftigt, erfasst man im Leben des Heiligen eine Entwicklung als Mensch und als Diener Gottes. Die Anfänge seiner Mission sprechen von einer unglaublichen Kraft und inneren Impuls, welcher vielleicht sogar an Übermut grenzt. Erinnern wir uns daran, dass die Christen ihn noch in Damaskus „zurückpfeifen“ mussten. Die letzten Briefe sprechen jedoch von einem schon fast sanften Mann, der sich besorgt um seine Anvertrauten kümmert, wie Philemon, den Sklaven. Rembrandt hat diesen schon alten, fast gebrochenen Paulus in einem beeindruckenden Gemälde porträtiert. Gerade diese Gemälde jedoch öffnet uns eine Tür zu der wahren inneren Kraft des Apostels, die gänzlich altersunabhängig ist, aber auch unabhängig von äußere Kraft und Vigor.

Paulus legt zu Ende seines Lebens alle Zeichen seiner scheinbaren Größe beiseite: das Schwert, das Buch und die Reisetasche. Der Schwert als Zeichen seiner Lebensresistenz und weitreichenden Wirkung, das Buch als Zeichen seines Wortes, die Tasche als Zeichen seiner Reisen, die ihn bis ans Ende der damaligen Welt gebracht haben. Dies liegt in die Ecke geworfen neben ihm.

Das Gesicht dieses Mannes, eigentlich eine äußerlich gebrochene, schwache und eingekerkerte Person, spiegelt eine ewige Lebendigkeit  wieder.

Der Gerechte gedeiht wie die Palme, / er wächst wie die Zedern des Libanon.

Gepflanzt im Haus des Herrn, / gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes.

Sie tragen Frucht noch im Alter / und bleiben voll Saft und Frische; sie verkünden: Gerecht ist der Herr; mein Fels ist er, an ihm ist kein Unrecht.

(Psalm 92)

Es ist die Lebendigkeit dessen, für den das Wort Gottes zum wahren Quell des Lebens wurde. Man kann eine fast kindliche Überraschung in seinen Gesichtszügen erkennen, welche dem eigen ist, der sich ständig mit Gott auseinandersetzt. So spricht das Gemälde vielleicht von einem körperlich erschöpften Menschen, aber von einem seelisch weiterhin jungen Anbeter und Diener Gottes.

Die Weisheit dieses gänzlich aufgeriebene Lebens spricht zu uns, und lehrt uns, dass die wahre Kraft des Menschen in seiner Verwurzelung im Worte Gottes liegt. Die Fähigkeit der inneren Aufmerksamkeit gegenüber Gottes Wort (nachdenkende Haltung), die Fähigkeit Gott zu hören und Sein Wort ernst zu nehmen (Aufschreiben) und der Ehrfurcht vor Gottes Wort (barfuß, so wie Mose vor dem Dornbusch).

 Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt. Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. (Philipper 3, 7-9)

Auch wenn er im Gefängnis sitzt, so erfährt der Heilige Paulus die Freiheit dessen, der gelernt hat immer mehr aufs Wesentliche zu setzen: die Person Christi. Diese Weisheit ist die Tugend der Gottesfürchtigen, die alles einzig und allein auf Gott setzen und ganz in Gott verwurzelt leben.

Gerade die nun beginnende Fastenzeit möchte uns von möglichem Ballast befreien, um wie Paulus mit dieser kindlichen und radikalen Haltung nur Gott zu suchen.

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