O vos omnes

Betrachtung zur Karwoche

Pietà von Michelangelo

O vos omnes qui transitis per viam: attendite et videte si est dolor sicut dolor meus. Ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut doch und seht, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz, den man mir angetan.“ (Klagelieder 1, 12). Diese Worte legt die Kirche der Gottesmutter, der Pietà, am Karsamstag in den Mund. Sei es der Karsamstag, aber wohl noch mehr die Betrachtung der Abnahme Jesu vom Kreuz und das Legen seines toten Leibes in den Schoß seiner Mutter, sind wohl die ergreifendsten Momente der Passion. Nach der Brutalität der Verhaftung, des Gerichts, der Geißelung, des Kreuzweges und der Kreuzigung selber, überwiegt hier eine leidvolle, aber doch tief friedliche Ruhe. Alles spricht von der Erhabenheit der Geschehnisse, die nicht banal und oberflächlich gewusst, sondern mit dem Blick der Pietà Michelangelos betrachtet werden wollen. Diese Haltung der ruhigen Betrachtung der Passion möchte in dieser Karwoche besonders gelebt werden.  Weiterlesen

Amor meus, pondus meum

Fünfter Fastensonntag

Statue des Hl. Paulus, Petersdom

Statue des Hl. Paulus, Petersdom

In deiner Gabe wollen wir ruhen, dort deiner genießen. Dort ist unsere Ruhe, unsere Stätte. Dorthin erhebt uns die Liebe und dein guter Geist erhöhet unsere Niedrigkeit über die Pforten des Todes. Im guten Willen ist Friede für uns. Ein Körper strebt durch eigenes Gewicht zu seinem Mittelpunkt. Dies Gewicht zieht ihn nicht nur nach unten, sondern zu seinem Orte. (…) Weniger geordnet, sind sie unruhig; wenn sie geordnet sind, ruhen sie. Mein Gewicht ist meine Liebe; durch sie werde ich getrieben, wohin ich immer getrieben werde. (Augustinus, Bekenntnisse, 13, 9)

„Gewicht“ und „Wichtigkeit“ sind etymologisch verbunden. In der Welt der physischen Gesetze sind schwere Körper wesentlich, um Beziehungen zu bestimmen. Vor einigen Monaten erst, wurden erstmals eine Gravitationswellen gemessen. Damit wurde bestätigt,  dass bewegliche (massive) Körper einen besonderen Einfluss auf ihre Umwelt haben und Abstände strecken und stauchen können.

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Vom wahren Sinn der Barmherzigkeit

Gedanken zur Fastenbotschaft des Papstes

Die Liturgie am Anfang der Fastenzeit ist sehr auf die Nächstenliebe und Barmherzigkeit ausgerichtet. Wir wissen, dass diese Botschaft auch für Papst Franziskus zentral ist. Ich möchte in dieser Betrachtung versuchen heraus zu arbeiten, was hinter diesem so zentralem christlichen Aufruf nach Nächstenliebe und Barmherzigkeit steckt.

Leider scheinen die Medien das „public imaging“ des Papstes und der Kirche zu übernehmen und so wird schnell Nächstenliebe und Barmherzigkeit reduziert auf Installieren von Duschen für Bettler oder kostenloses Haareschneiden für die römischen „Barboni“. Aber es wäre nicht nur schade, Nächstenliebe darauf zu begrenzen, sondern würde ganz daneben greifen. So möchte ich anhand der Fastenbotschaft von Papst Franziskus zeigen, worum es wirklich geht. Was ist der Geist, der hinter der christlichen Nächstenliebe, die gelebt werden soll, steckt?

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Wo deine »Synthese« liegt, da ist dein Herz!

Pelikan

Pelikan- Symbol Christi, der uns mit seinem Leib ernährt.

Wo deine »Synthese« liegt, da ist dein Herz. (Papst Franziskus, Evangelii gaudium 143)

Was mag das bedeuten? Was ist eine Synthese? Synthese könnte man definieren als: der Punkt, von dem man alles in Einem erfasst. Es geht nicht nur um einen oberflächlichen Überblick, sondern das tiefgreifende Verständnis einer Ganzheit. Nun wende man dies aufs Leben an: suchen wir nicht immer nach einer Synthese? Oder in anderen Worten: nach dem Sinn im Leben? Dem, was unserem Leben die wirkliche Einheit gibt? Nichts bringt den Menschen mehr aus dem Gleichgewicht als die Unstimmigkeit seiner inneren Motivationen, die fehlende Kohärenz in seinem Leben: ich bin von diesem oder jenem überzeugt, bringe aber mein konkretes Verhalten nicht in Einklang mit meiner Überzeugung. Wie sehr spricht uns der Ausruf des Hl. Paulus aus dem Herzen: „Denn ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse“ (Rm 7, 15). Der Apostel jedoch bleibt nicht dabei stehen, sondern sucht die Einheit in seinem Leben, so dass er ausrufen kann:

(…) bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. (Eph 4, 3-6)

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Wenn ich über die Erde erhöht bin…

 …werde ich alle zu mir ziehen (Joh 12,32)

Hl Herz Jesu Tutzinger Schwestern

Palmsonntag ist immer eher ein süß saurer Tag. Man weiß nicht, ob man sich freuen darf oder nicht. Denn der Einzug Christi in Jerusalem ist wohl ein Moment der Freude, für die Jünger und so auch für uns. Doch wird in der Messe die erste lange Leidensgeschichte gelesen und zeigt uns somit schon am Anfang der Karwoche die ganze und harte Wirklichkeit der Passion Christi.

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Die Schönheit der Demut

Darstellung des Herrn

Darstellung des Herrn, Ikone

 

Manchmal möchte man einen Blog zurückrufen. Fast hätte ich es mit dem Letzten gemacht: die Nostalgie der Schönheit. Das braucht es jedoch nicht, aber dennoch möchte ich einen Schritt weiter gehen. Anlass dazu war das Beten über einige einfache Sätze, dir mir zugeschickt wurden:

Wir können Gott nicht besitzen. Gott muss uns nicht mit Seiner Liebe erobern; das wäre ein Schritt zurück.

In „Nostalgie der Schönheit“ haben wir darüber gesprochen, wie Gott Antwort, einzige echte Antwort, auf unser inneres Sehnen und auch oft unsere innere Leere ist. Schönheit wollen wir besitzen, ganz und gar. Dieser existentielle Schritt ist berechtigt und wir müssen ihn gehen. Unsere Unzulänglichkeit bringt uns dazu, nach einer Erfüllung zu suchen, welche wir als Rettung empfinden. Unsere Nostalgie nach Größerem, Schönerem, Besserem müssen wir an der Hand nehmen und sie zur Fülle und Freude in Gott und an Gott führen.

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Die Nostalgie der Schönheit

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Kuppel des Petersdom

Beim Hören von Kompositionen von Bach oder auch Beethoven, aber im Allgemeinen, wenn es sich um Kunst und Schönheit handelt, mischt sich in die Freude am Stück leicht auch eine innere Nostalgie. So für mich persönlich bei dieser Stelle des 5. Klavierkonzertes von Beethoven:

Ausschnitt aus dem ersten Satz des Konzertes, gespielt von Alfred Brendel (mit Sir Simon Rattle).

Ich empfinde diese Melodie als himmlische Glocken, die uns rufen. Noch können wir dem Ruf nicht ganz folgen. Deshalb schleicht sich etwas Trauriges hinein. Eine Sehnsucht. Auch die Ohnmacht, dieses Schöne zwar zu hören, es auch innerlich zu erfassen, aber nicht ganz zu besitzen. Weiterlesen

Werbung oder Mission?

Church A Thon

Heutzutage wird viel über neue Wege gesprochen, die gefunden werden müssen, um mit den Menschen unserer Zeit in Verbindung zu treten und ihnen die Frohe Botschaft zu verkünden. Das ist richtig so… Aber was ist ein neuer Weg?

Der Theologe H.U. von Balthasar schreibt im Buch „Katholisch“ in seiner oft ein bisschen überspitzten Art:

Das Zeugnis der Catholica ist tief verborgen, so verborgen wie das Mysterium, das sie bezeugt. Man frage eine beliebige Klasse der Oberstufe im Westen oder im Osten, was sie sich unter katholisch vorstellt, damit assoziiert, und man wird sehen. Inquisition, Pille und dergleichen. Die Kirche hat (in ihrem schwächsten Konzilsdokument) die Massmedia „gesegnet“, aber kann sie in diesen ihr eigentliches Geheimnis, das einzige, das sie glaubwürdig machen kann, vor Kreti und Pleti enthüllen? Muß sie es dort nicht zumindest in abgeleiteter, verfremdeter, moralisierter („eingängiger“) Form vorstellen? Wird sie dann aber nicht eher Propaganda als Mission betreiben? (H.U. von Balthasar, Katholisch, S. 9)

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Puer natus est nobis

Hl. Familie mit dem Vogel, Murillo

Hl. Familie mit dem Vogel, Murillo

Schon einmal habe ich über diesen „gottgewollter Knick“ gesprochen: d.h. dass wir etwas Erstaunliches, Erhabenes und auch Geheimnisvolles im Handeln Gottes erwarten, und Er sich auf einmal ganz anders präsentiert. Wenn wir die Adventsliturgie in diesen Wochen betrachtet haben, dann hat sich unser Herz geweitet und wir ersehnen die Erlösung und das Heil. Wir ersehnen vielleicht auch einen Gott, der nun ein für alle Mal Probleme und Leid beseitigt, unsere Schwächen tilgt, und sich eben als Allherrscher zeigt. Dann aber hören wir in der lateinische Weihnachtsliturgie  diesen wunderbaren Choral: Puer natus est nobis (um eine Aufnahme von der Benediktinerabtei Santo Domingo de Silos zu hören, hier klicken).

Puer natus est nobis
Et filius datus est nobis
Cuius imperium super humerum eius
Et vocabitur nomen eius
Magni consilii Angelus

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Die Liebe ist langmütig

Familie, Ehe und Liebe

Hl. Familie, G. Vasari, Andrea del Sarto

Hl. Familie, G. Vasari, Andrea del Sarto

„Die Liebe ist langmütig“ (1 Kor 13, 4).

Die Bischofssynode über die Familie (aktuelle Nachrichten siehe hier) geht ihrem Ende zu. Viel wurde über Ehe, Scheidung, Kommunion,… diskutiert. Ohne in die konkrete pastorale Thematik eindringen zu wollen, möchte ich einige Betrachtungen anbieten, welche einen Aspekt der Liebe herausarbeiten wollen. Liebe ist Grundlage jeden Ehelebens und ich glaube, jeden Lebens im allgemeinen. Das richtige Verständnis von Liebe öffnet uns den Weg zur Treue und somit zur Freude in der Liebe, das falsche Verständnis zum Egoismus und damit zum Frust.

„Die Liebe ist langmütig“, so Paulus in seinem Hohelied der Liebe. Dreimal wird in der Bibel ausdrücklich ein Bild benutzt, welches das „Langmütige“ der Liebe näher erläutern kann. Es ist das Bild des Baumes am Wasser.

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