Das Umsonst der Liebe Gottes

Betrachtung zum 4. Fastensonntag

Rembrandt van Rijn, Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

Rembrandt van Rijn, Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

Henri de Lubac spricht in seinem Buch über die Gnade von zwei grundsätzlich verschiedenen „Geschenken“ Gottes: das Geschenk der Existenz und das Geschenk des übernatürlichen Lebens. Beide sind in sich genommen unendliche Geschenke. Denn Gott musste uns nicht erschaffen. Als Er uns jedoch erschaffen hat, musste er uns nicht zum übernatürlichen Leben berufen, d.h. zur Einheit mit Ihm. Beides, Existenz und übernatürliches Leben, sind „gratuitas“.

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Wo deine »Synthese« liegt, da ist dein Herz!

Pelikan

Pelikan- Symbol Christi, der uns mit seinem Leib ernährt.

Wo deine »Synthese« liegt, da ist dein Herz. (Papst Franziskus, Evangelii gaudium 143)

Was mag das bedeuten? Was ist eine Synthese? Synthese könnte man definieren als: der Punkt, von dem man alles in Einem erfasst. Es geht nicht nur um einen oberflächlichen Überblick, sondern das tiefgreifende Verständnis einer Ganzheit. Nun wende man dies aufs Leben an: suchen wir nicht immer nach einer Synthese? Oder in anderen Worten: nach dem Sinn im Leben? Dem, was unserem Leben die wirkliche Einheit gibt? Nichts bringt den Menschen mehr aus dem Gleichgewicht als die Unstimmigkeit seiner inneren Motivationen, die fehlende Kohärenz in seinem Leben: ich bin von diesem oder jenem überzeugt, bringe aber mein konkretes Verhalten nicht in Einklang mit meiner Überzeugung. Wie sehr spricht uns der Ausruf des Hl. Paulus aus dem Herzen: „Denn ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse“ (Rm 7, 15). Der Apostel jedoch bleibt nicht dabei stehen, sondern sucht die Einheit in seinem Leben, so dass er ausrufen kann:

(…) bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. (Eph 4, 3-6)

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Wenn ich über die Erde erhöht bin…

 …werde ich alle zu mir ziehen (Joh 12,32)

Hl Herz Jesu Tutzinger Schwestern

Palmsonntag ist immer eher ein süß saurer Tag. Man weiß nicht, ob man sich freuen darf oder nicht. Denn der Einzug Christi in Jerusalem ist wohl ein Moment der Freude, für die Jünger und so auch für uns. Doch wird in der Messe die erste lange Leidensgeschichte gelesen und zeigt uns somit schon am Anfang der Karwoche die ganze und harte Wirklichkeit der Passion Christi.

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Christus und Petrus

Liebesgeständnis

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Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! (Joh 21,15)

Diese gegenseitige Liebeserklärung ist wohl die einzige so direkte in den Evangelien. Sie befindet sich am Ende des Johannesevangeliums, als ob sie diesem einen rundenden Abschluss gegeben solle. Ein Nachwort, um nochmals zum Ausdruck zu bringen, dass das Herzstück der Botschaft Christi die Liebe ist: „Ein neues Gebot gebe ich euch: wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ (Joh 13, 34).

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Heiliges Land (II)

Gottgewollter Knick

Christus und der Hl. Franziskus

Kreuz auf dem Berg Tabor

„Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: ‚Steht auf, habt keine Angst!‘ Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.! (Mt, 17, 6-8)

Was generell schon als Abklingen der Erzählung der Verklärung Christi auf dem Berg Tabor aufgefasst wird, möchte ich hier ins Zentrum rücken. Beim Lesen dieser Stelle errinnerte ich mich daran, dass vor einigen Wochen jemand zu mir sagte: Jesus liebt das Verstecktspiel. Wenn man sich an die Auferstehungsszene der Jünger von Emmaus errinnert, wird verständlich, was damit gemeint war. Der Moment seiner Offenbarung ist gleichzeitig Moment auch seines sich Versteckens. Weiterlesen

Heiliges Land (I)

Jerusalem – das „Hier“ der Liebe Gottes

Old City from the Mount of the Olives

Der Blick auf Jerusalem von der Kirche „Dominus flevit“ aus ist beeindruckend, wie man es auf dem Bild sehen kann. Nirgendwo  auf dieser Welt als hier in Jerusalem wird die Liebe Gottes so greifbar. Man geht zur Klagemauer und wird durch die Aufschrift auf einem Schild darauf hingewiesen, dass hier ein heilige Ort ist – ein Ort, an dem Gott wirklich präsent ist: die shekina.

Die Geschichte der Liebe Gottes zu den Menschen sucht immer das Konkrete: „Dann verhüllte die Wolke das Offenbarungszelt und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnstätte. Mose konnte das Offenbarungszelt nicht betreten, denn die Wolke lag darauf, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnstätte.“ (Ex 40, 34-35)

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